Institut für Bibelübersetzung _


Übersetzung und Verlegung von biblischen Texten in Sprachen nichtslawischer Volksgruppen Russlands und anderer Länder der GUS


 

   
 

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Rundbrief
 

September 2008

„Das Buch handelte von meinem Gott”

Fast zehn Jahre lang hat Vitali Voinov im südsibirischen Tuwa als exegetischer Berater an der Bibelübersetzung mitgearbeitet. Während dieser Zeit erlebten die Tuwinen die Veröffentlichung des ersten Neuen Testaments in ihrer eigenen Sprache. Ausserdem erschienen die Kinderbibel und zwei Bücher mit einer Auswahl aus dem Alten Testament. Für 2010 planen wir die Veröffentlichung der ganzen Bibel auf Tuwinisch. Nachfolgend einige Auszüge aus einem Artikel von Vitali:

„Die Tuwinen stammen von alten Turkvölkern ab, die sich zur Zeit Dschingis Khans mit den Mongolenstämmen vermischt haben. Ihre Sprache und Traditionen haben sie wesentlich besser erhalten können als die meisten anderen Völkergruppen in Sibirien, die im Laufe des letzen Jahrhunderts zumeist eine starke Russifizierung durchlaufen haben. Die Tuwinen sind sehr stolz auf ihr Land und ihre Kultur. Ihre unverwechselbaren Obertongesänge haben Westler seit den frühen Neunzigern fasziniert und sind der berühmteste Export Tuwas. Leider wird die tuwinische Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten von grossen Problemen heimgesucht. Die meisten Tuwinen leben in Armut. Ein grosser Teil der Bevölkerung ist dem Alkoholismus verfallen. Weder der Schamanismus noch der tibetische Buddhismus vermögen es, dem Leben der Kehlkopfsänger von Tuwa viel Hoffnung zu geben.

Das Evangelium hatte bisher auf das Leben des durchschnittlichen Tuwiners noch keinen starken Einfluss. Manche haben die Bibel in Auszügen gelesen; doch ihre Worte sind nicht auf lebensverändernde Weise in ihr Bewusstsein gedrungen. Die wenigen Tuwinen, die Christus annehmen, werden für gewöhnlich von ihren Verwandten bezichtigt, sich den Russen verkauft und die eigene Kultur um humantitärer Almosen willen verraten zu haben.

Und doch... Unter der unergründlichen und wundervollen Führung des Herrn fallen die ausgestreuten Samen immer wieder auf fruchtbaren Boden. Die folgende Geschichte wurde mir von einer tuwinischen Gläubigen namens Oktjabrina erzählt und handelt von einer interessanten Begegnung, die sie neulich hatte: „Während Aldynai und ich auf ein Auto warteten, dass uns nach Kyzyl zurückbringen würde, kam uns aus dem Dorf eine Frau namens Sajana entgegen. Sie wollte sich uns anschliessen und uns ihre Geschichte erzählen. An diesem Morgen war sie zum Feld gegangen, um ihre Kühe dort weiden zu lassen. Als sie sich dem Feld näherte, sah sie zwei Frauen gemeinsam etwas lesen. Sie liess ihre Kühe auf dem Feld und gesellte sich zu den Frauen. Sie lasen ein Buch. ‚Das Buch handelte von meinem Gott,’ sagte Sajana. Dann erzählte sie uns, dass sie sich immer wieder den Jesus-Film auf Tuwinisch angesehen hatte und versuchte, die guten Dinge zu tun, die Jesus verlangt. ‚Wir waren so in das Buch vertieft, dass wir nicht merkten, dass es schon Mittag geworden war,’ erzählte Sajana. Als sie an diesem Nachmittag nach Hause zurückkehrte, fand sie dort eine Ausgabe dieses Buches vor (das tuwinische Neue Testament war an genau diesem Vormittag in ihrem Dorf verteilt worden). Sie war so froh, das Buch über ihren Gott bekommen zu haben.“

Ich freue mich jedes Mal, wenn ich tuwinische Gläubige treffe, die erzählen, dass der Herr sie durch den Jesusfilm oder durch die heilige Schrift in ihrer Muttersprache mit einem tieferen Verständnis für die Botschaft des Evangeliums gesegnet hat. Das gibt mir die Hoffnung, dass der Heilige Geist die tuwinische Gesellschaft auch weiterhin umformen wird, Stück für Stück, indem er die Erzählung von Gottes Liebe für die Menschheit für den tuwinischen Hörer relevant macht.

Die Tuwinen brauchen die ganze Bibel in ihrer Sprache! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


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