Oktober 2006
„Dieses Buch wird ein Lesebuch
in unseren Schulen sein!“
„Wenn
ich nicht eine Schorin wäre, würde ich vielleicht sagen:
‚Warum ist Übersetzung notwendig?‘ Wenn Du aber Kinder
siehst, die nicht in der Lage sind, ihre eigene Sprache zu lesen, und
keine Möglichkeit haben, zur Kultur ihrer Vorfahren
zurückzukehren, das ist unerträglich – sogar in
noch höherem Masse, als wenn man Kinder hungrig
und arm gekleidet sieht. Danke, IBÜ. Danke, Übersetzer.
Sie haben uns die Möglichkeit gegeben, ein Buch in unserer
Sprache zu besitzen, das Licht auf unseren ‚Weg nach Hause‘ wirft.
Dieses Buch ist ein Teil des Weges nach Hause.”
Diese
Worte sprach eine Schorin am 8. September 2006, auf der
Übergabefeier der Biblischen Geschichte auf Schorisch
in Taschtagol, der Hauptstadt der Schoren in Südsibirien.
Gleichzeitig wurde auch eine Hörbuchversion dieses Buches
vorgestellt. Viele Menschen hatten sich zu dem Ereignis versammelt,
über das Presse, Funk und Fernsehen berichteten.
Die
14.000 Schoren sprechen eine Turksprache, die eng mit dem
Chakassischen verwandt ist. Ihr orthodoxer christlicher Glaube
ist vermischt mit Animismus und Schamanismus.
„In
diesen schweren Zeiten versetzen uns die Biblischen Geschichten
nicht nur in die Lage in unserer Sprache zu lesen, sondern auch
unseren Kindern die christlichen Fundamente zu lehren,“ kommentierte
eine andere Frau. „Dieses Buch wird ein Lesebuch in unseren Schulen sein!“
Bis
vor kurzem gab es kein einziges Buch der Bibel auf Schorisch.
Vor zwei Jahren schloss ein Team des IBÜ die
Übersetzung des Markusevangeliums ab und veröffentlichte
es. Das war das erste Buch der Bibel auf Schorisch. Die Arbeit an der
Übersetzung verlief nicht ohne Schwierigkeiten, denn die
schorische Schriftsprache hatte fast 40 Jahre lang ein
Schattendasein geführt. Viele Leute hatten die Fähigkeit
in ihrer Muttersprache zu lesen verloren und benutzen das Schorische
nur für die Alltagsgespräche. Daher ist auch die
Hörbuchversion von enormer Wichtigkeit.
Andrei,
ein Pastor der im schorischen Siedlungsgebiet arbeitet, war an der
Verteilung des Markusevangeliums beteiligt. „In einem Dorf wurden
wir vor einem sehr bösen und streitsüchtigen Mann gewarnt,
der immer betrunken wäre“, berichtete er. „Wir wanderten friedlich
die Dorfstrasse entlang, als dieser Mann plötzlich auftauchte und
uns bedrohte. Wir konnten nichts anderes tun als zu beten. Ich
erzählte dem Angreifer, dass Gott ihn liebt, und dass es ein
Buch auf Schorisch gibt, dass darüber spricht. Ich sagte ihm,
dass auch wir die Schoren lieben, und ihnen dieses Buch geben wollten.
Der Mann nahm das Markusevangelium, öffnete es und begann
zu lesen – und plötzlich fing er an zu weinen.
Unglücklicherweise habe ich nicht genau mitbekommen,
welchen Abschnitt er gelesen hat. Wir umarmten uns, und er ging
nach Hause.“
„Unsere
Leute haben auf jemanden gewartet, der die Bibel übersetzt“,
sagte ein Mitglied des Übersetzungsteams. „Unsere Tradition
ist ein Mix aus Christentum und Schamanismus. Wir werden
näher an den christlichen Weg und an christliche Traditionen
herankommen, wenn wir die Bibel haben.“
Projekt des Monats
Das Markusevangelium
auf Schorisch ist auch auf Tonträger aufgenommen worden (Hörbuch)
– jetzt werden Audiokassetten hergestellt und an diejenigen verteilt, die schon
die Bücher bekommen haben. Bitte unterstützen Sie
dieses Projekt in diesem Monat mit ihrer Spende!
Hier können Sie den monatlichen Rundbrief des IBÜ bestellen.
Archiv: I
Dez. 05
I
Nov.
05
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Okt. 05 I
in der Schweiz
Zürcher Kantonalbank,
8010 Zürich
PC 80-151-4 Kontonr.: 1118-0052.986
Ref. Kirchgemeinde Hirzenbach, 8051 Zürich
Vermerk "Institut für Bibelübersetzung"
in Deutschland
Auskunft unter
ibt_inform@ibt.org.ru
(Wenn möglich bitte in Englisch).
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