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Oktober-Dezember
2010
Sergej
ist einer unserer erfahrensten Exegese-Berater. Er half
mit bei den Bibelubersetzungen auf Altaisch, Tuwinisch,
Burjatisch und Schorisch. Wahrend den letzten zwei Jahren
lebte er auf der Kamtschatka-Halbinsel und arbeitete an
den ‚Jesusgeschichten’ auf Korjakisch. Diese Sprache wird
von 9000 Menschen gesprochen. Nach seiner Ruckkehr aus dem
fernen Osten berichtete er von seinen Erfahrungen:
„Auf der Kamtschatka-Halbinsel ist das
Leben sehr schwierig,“ sagte er. „Das Klima ist extrem hart,
Nahrungsmittel und Kleider sind sehr teuer, und es gibt
kaum Strassen, bloss Pfade. Auch gibt es wenig Arbeit. Die
Dorfer entvolkern sich, die Menschen ziehen nach Palana,
der Distriktstadt. Manner, Frauen und Kinder trinken viel.
Die Menschen zerstoren sich selbst mit Wodka. Fur sie ist
der Alkohol ihre Medizin, ihre Nahrung, ihr Vitaminersatz,
ihr Alles.
Auch die geistliche Situation ist sehr
schwierig. Christen, die gekommen sind, um den Korjaken
die Gute Nachricht zu bringen, haben oft versucht, ihnen
auch ihre eigene Kultur aufzuzwingen. So wollen sie nun
nicht mehr zuhoren. Man muss mit ihnen leben und ihnen zeigen,
dass man sie liebt, man muss beweisen, dass man ein Christ
ist, dann werden sie dir glauben und dir zuhoren. Ich ging
mit ihnen fischen, ich arbeitete mit ihnen im Garten, ich
lud sie zu mir ein, und nach und nach begannen sie, mir
zu vertrauen.“
„Ich bin uberzeugt, dass Leben und Kultur
der Korjaken nur uber ihre Sprache erneuert werden konnen,“
fuhr Sergej fort. „Die Fotos, die Trachten, die Musik und
die Folklore, die in Museen gesammelt werden, sind tote
Gegenstande. Die Sprache aber lebt. Mit der Sprache konnen
die Korjaken ihre Weltsicht auf ihre einzigartige Weise
ausdrucken, die sich von der unseren unterscheidet. Auch
wenn sie ihre Sprache zum Teil vergessen haben, bleiben
sie doch Korjaken, die nicht gleich denken wie wir.
Im Gesprach mit gebildeten Korjaken, die
sich professionell mit ihrer Sprache befassen, richtete
ich die dringende Bitte an sie: ‚Tragt Sorge zu den korjakischen
Wortern, dies ist eure Sprache, eure Zukunft. Ihr konnt
eure Kultur nur durch die Sprache erhalten, denn heutzutage
will niemand mehr in einem chum (Zelt) leben, niemand will
die Nationaltracht anziehen, niemand will traditionelle
Nahrung essen.’
Wir konnen den Korjaken durch das Wort
geistliches Leben bringen. Auch wenn viele Korjaken die
Kenntnis ihrer Sprache verlieren, so ist sie trotzdem der
Schlussel zum Empfang der Botschaft. An einer Konferenz
begann ich meine Ansprache mit einem korjakischen Gruss,
und die Korjaken, die ihre Sprache kaum noch kennen, empfingen
mich wie einen der Ihren – und ich hatte bloss zwei Worter
in ihrer Sprache gesagt.
Einige korjakische Christen nahmen an einem
Hundeschlittenrennen von Petropawlowsk in den aussersten
Norden der Halbinsel teil. Ich gab ihnen alle Lukasevangelien,
die ich hatte, mit und sie verteilten sie in den Dorfern,
in denen sie auf dem Weg vorbei kamen.“
Das Lukasevangelium wurde zusammen mit
Tonbandkassetten 2005 veroffentlicht, und die ‚Jesusgeschichten’
werden nachstes Jahr gedruckt. Wir mochten noch andere Teile
der Heiligen Schrift auf Korjakisch ubersetzen. Sergej ist
bereit, wieder nach Kamtschatka zu gehen. Bitte unterstutzen
Sie dieses Projekt mit ihren Gebeten und Ihren Gaben!
Danke
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