Frühling 2009
Gerade
jetzt, da dieser Brief geschrieben wird, ist eines der zentralasiatischen Teams
für eine Beratungssitzung in Moskau versammelt, um einige alttestamentliche
Bücher zu überprüfen. Eine der Übersetzerinnen erzählt uns von ihrem Engagement
in die Bibelübersetzung:
„Ich lebe in Zentralasien, in einem Land, das von muslimischen
Traditionen und Bräuchen durchtränkt ist. Es wäre mir nie im Traum eingefallen,
dass ich eines Tages mit der Bibelübersetzung zu tun haben würde, aber Gott
selbst erachtete es für richtig, mir diese Arbeit zu übertragen.
Vor
acht Jahren begegnete ich einem Exegeseberater des Übersetzungsprojekts. Er kam
ins Redaktionsbüro, in dem ich arbeitete, und übergab uns ein Exemplar des
IBÜ-Buches Die Geburt Jesu Christi in 80 Sprachen der GUS-Staaten. Mit grossem
Interesse las ich die Übersetzung von Lukas 2,1-20 in meiner Muttersprache –
war es doch das erste Mal überhaupt, dass ich diese Bibelstelle über die Geburt
Jesu Christi lesen konnte. Ich schätzte die Übersetzung sehr, sie war klar und
sprachlich schön.
Als
dann Verständnisüberprüfungen des Lukasevangeliums fällig waren, wurde ich zur
Mitarbeit eingeladen. Ich durfte den übersetzten Text redigieren. Später
verlagerte sich meine Rolle im Projekt, und ich wurde Übersetzerin. Es war mir
eine sehr grosse Freude, an dreizehn alttestamentlichen Büchern zu arbeiten.
Heilige
Schriften zu übersetzen ist eindeutig eine ausserordentliche Aufgabe. Es ist
nicht einfach ein Job, ist doch die Bibel zugleich eine Heilige Schrift und ein
Zeugnis der Weltliteratur. So viele verschiedene Literaturarten (geschichtliche
Berichte, Poesie, Ermahnungen, etc.) sind in den Büchern der Bibel miteinander
verwoben, und so tauchen immer wieder Schwierigkeiten auf, wenn ich den Text
übersetze. Die russische Sprache, die mir als Grundlage* für die Übersetzung
des Bibeltextes dient, unterscheidet sich sehr von meiner Muttersprache, und
wir müssen uns immer bewusst sein, dass die Übersetzung ganz unserer eigenen
Sprachstruktur entsprechen sollte.
*)
Auch wenn die Übersetzerin eine russische Bibelübersetzung als Grundlagentext
benutzt, so überprüft und korrigiert doch der Exegeseberater ihre Übersetzung
anhand der Originalsprachen, d.h. im Falle des AT des Hebräischen.
Ich
glaube, dass die Bibelübersetzung eine heilige Aufgabe ist, und so versuche ich
nicht, meine Beteiligung an diesem Projekt vor meinen Arbeitskollegen zu
verheimlichen. Natürlich bekomme ich manchmal Vorwürfe zu hören, besonders von
einem Kollegen, der mich einmal fragte, warum ich mich denn in so etwas
hineinziehen lasse. Später fragte er mich: „Du wirst doch nicht etwa deinen
Glauben verraten?“ Ich erklärte ihm, dass das IBÜ eine wissenschaftliche
Organisation sei und dass meine Übersetzungsarbeit mein Wissen vermehre. Er
belästigt mich nun nicht mehr mit diesem Thema, aber wenn ich ihn frage, wie er
ein bestimmtes Wort übersetzen würde, verweigert er mir die Antwort, weil er
realisiert, dass ich sie für die Bibelübersetzung brauche.
Unser
Volk braucht tatsächlich die Bibel. Jedermann sollte Zugang zu den heiligen
Texten haben. Sogar wenn man den Koran studiert, sollte man etwas vom Fundament
verstehen, auf dem er steht. Und dieses Fundament ist die Bibel.“
Der
letzte Brief informierte über das Stundenprojekt von IBÜ und den Stand der
Finanzen für 2009. Hier die neue Situation im Vergleich mit derjenigen vom
Januar.
Danke
allen, die dazu beitragen, dass unsere "Uhr" weiterläuft!
Hier können Sie den monatlichen Rundbrief des IBÜ bestellen
in der Schweiz
Zürcher
Kantonalbank, 8010 Zürich
PC 80-151-4 Kontonr.: 1118-0052.986
Ref. Kirchgemeinde Hirzenbach, 8051 Zürich
Vermerk "Russland/Zentralasien"
in Deutschland
Licht e.V.
Kreissparkasse Waiblingen
Konto-nr 53 79 539
Bankleitzahl 602 500 10
Vermerk „Institut für Bibelübersetzung”
in anderen Ländern
Für Angaben hierzu auf
Englisch
bzw.
Russisch
klicken Sie bitte auf die gewünschte Sprache.
|