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Juli-September
2010
Mitte
Mai fand in der Nationalen Bibliothek von Abakan, der Hauptstadt
von Chakassien in Sudsibirien, eine Diskussion am runden
Tisch uber das kurzlich erschienene Neue Testament in Chakassisch
statt. Mitglieder des Ubersetzerteams, Mitglieder der chakassischen
Schriftstellerunion und Vertreter des kulturellen und des
religiosen Lebens sowie von Bildungsinstitutionen waren
unter den Teilnehmenden, ebenso wie Journalisten vom Fernsehen,
vom Radio und von der Presse. Nach diesem Anlass publizierte
die „Komsomolskaja Prawda“, die in der kommunistischen Zeit
den christlichen Themen gegenuber sehr feindlich eingestellt
war, das Unser Vater auf Russisch und auf Chakassisch sowie
ein Interview mit dem Ubersetzer Ija Topoev auf ihrer Website.
„1990 bin ich angefragt worden, das Markusevangelium
auf Chakassisch zu ubersetzen“, erinnert sich Ilja. „ Fur
mich war die Bibel ein unbekanntes Buch, aber ich begann
im Alleingang zu ubersetzen. Was ich nicht verstand, liess
ich einfach aus. 1991 lud mich das IBT zu einem Seminar
in Sibirien ein. Erst da wurde mir klar, dass der Text nicht
nur ubersetzt, sondern auch verstanden werden sollte! In
den folgenden Jahren nahm ich an vielen vom IBT organisierten
Seminaren teil. Ich lernte viel uber die Bibel und kam auch
mit vielen Ubersetzern in Kontakt, mit denen ich fruchtbare
Diskussionen fuhrte. Aber die Arbeit war schwierig. Wir
mussten Worter fur biblische Begriffe wie Engel, Prophet,
Heiliger Geist usw. finden, die im Chakassischen nicht existieren.
Ohne die auslandischen Exegeseberater, die in unser Land
kamen und hier lebten, ware die Arbeit nicht moglich gewesen.“
„Die Uberpruferinnen und Uberprufer waren
auch sehr wichtig“, fugte die Ubersetzerin Galina Litvinenko
bei. „Sie nahmen den Text mit in das Sprachgebiet und kontrollierten,
ob er richtig verstanden wurde. Fur mich bedeutete die Ubersetzungsarbeit
sehr viel. Ich wuchs hinein und entdeckte, wie reich unsere
Sprache ist, was fur tiefe philosophische Gedanken in ihr
ausgedruckt werden konnen. Und sie machte mich innerlich
reich, etwas, das meine Seele bereichert, eroffnete sich
mir.“
Nach 20jahriger Arbeit steht das Neue Testament
den Chakassen jetzt zur Verfugung, und viele Teilnehmende
am runden Tisch druckten ihre Dankbarkeit aus. „Dieses Buch
wird der chakassischen Sprache neues Leben vermitteln“,
sagte ein Vertreter des Erziehungsministeriums, und ein
sehr bekannter Folklore-Spezialist fugte bei: „Das ist eine
grosse Leistung fur unsere Kultur und fur das geistliche
Leben unseres Volkes. Ich mochte die Verwaltung unserer
Republik bitten, sich fur die Verbreitung dieses Buches
einzusetzen. Es ist an der Zeit, dass sich unser Volk aus
der schamanistischen Weltsicht erhebt und sich dem hochsten
Gott zuwendet.“
Nach
dem erwahnten Anlass hatten wir die Freude, in Askiz, sudlich
von Akaban, einen Hauskreis von chakassischen Glaubigen
zu treffen. Auch hier wurde das Neue Testament mit grosser
Freude empfangen. Als wir fragten, ob das NT einfach zu
lesen sei, antwortete eine Frau: “Naturlich ist es einfach
zu lesen, es ist das Neue Testament in unserer Sprache.
Wir verstehen alles und konnen es in unsere Herzen aufnehmen.
Als wir horten, dass das NT auf Chakassisch herauskommt,
waren wir vor Freude uberwaltigt.“ „ Gott liebt uns Chakassen
so sehr, dass er uns dieses Buch gab“, sagte eine andere
Frau und fugte bei: „Dieses Buch wird in uns leben und unsere
Sprache wird durch dieses Buch leben“.
Da die Chakassen nur etwa 11% der Bevolkerung
in Chakassien ausmachen, schamen sich viele, ihre eigene
Sprache zu sprechen. So hoffen wir, dass das Neue Testament
das Selbstbewusstsein der Chakassen starkt und ihnen hilft
zu verstehen, wie wertvoll sie sind und wie sehr sie von
Gott geliebt sind.
Danke
fur Ihre Unterstutzung der Arbeit des IBU.
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