Institut für Bibelübersetzung  _


Übersetzung und Verlegung von biblischen Texten in Sprachen nichtslawischer Volksgruppen Russlands und anderer Länder der GUS


 

   
 

  Jan. 09


Rundbrief

 

Januar 2009

Eine Stunde im IBÜ Russland/GUS

Das IBU hat einen 24-stundigen Arbeitstag, da unsere Projekte 10 Zeitzonen umfassen. So kann sich etwa Folgendes wahrend einer Arbeitsstunde ereignen:

Um 9 Uhr morgens ist der gagausische Ubersetzer Pjotr im sudlichen Moldawien bereit, die allerletzten Arbeiten an der gagausischen Kinderbibel anzupacken, bevor er sie der Abteilung fur Veroffentlichungen des IBU nach Moskau sendet. Dieses Buch wird 2009 als 37. Kinderbibel des Instituts gedruckt werden.

In St. Petersburg ist es jetzt 10 Uhr. Nadja macht sich eine Tasse Kaffee und setzt sich mit dem Ausdruck der Kinderbibel in ihrer Muttersprache, dem Ewenkischen, an den Schreibtisch. Zusammen mit dem Exegeseberater Stefano hat sie mehrere Jahre an diesem Text gearbeitet. Jetzt nahert sich diese Arbeit dem Ende, und Nadja verbringt die nachste Stunde damit, einige Seiten durchzulesen und Anderungen einzufugen.

Zur gleichen Zeit haben die Mitarbeitenden des IBU in Moskau ihren Arbeitstag im Buro begonnen. (Dieses befindet sich im St. Andreas-Kloster an der Moskwa.) Sie versammeln sich in der Bibliothek, um der taglichen Bibellesung zu lauschen. In der kommenden Stunde wird Tanja, die Vorsteherin der Abteilung fur Veroffentlichungen, einige Druckereien anrufen, wah-rend die Designerin Mascha am Einband fur das chakassische Neue Testament arbeitet. Die Projekt-koordinatorinnen Lena, Natascha und Ketevan nehmen per E-Mail Kontakt mit einigen Ubersetzungsprojekten auf. Zur gleichen Zeit haben die IBU-Direktorin Marianne und ihre Vertreterinnen Marina und Natalia eine Sitzung mit einem orthodoxen Bischof aus Sudsibirien, wahrend Sergej, der Leiter fur die Verteilung, ins Justizministerium anruft, um einen Versand von kurzlich veroffentlichten Bibelteilen in den verschiedenen Volkssprachen fur Gefangnisbibliotheken zu organisieren.

In der gleichen Stunde – aber um 12 Uhr mittags Lokalzeit arbeitet sich die Exegeseberaterin Eunsub in Salechard, Nordsibirien, mit der Ubersetzerin Tanja am dritten Entwurf des Johannesevangeliums in der Sprache der Nentsen. Sie werden durch Nastja unterbrochen, die nachfragt, wann denn das Markusevangelium gedruckt und auf Band oder CD aufgenommen sein wird. „Viele Leute fragen danach!“ sagt sie. Eunsub ladt Nastja zu einer Tasse Tee ein und versichert, dass das Markusevangelium in diesem Jahr fertig veroffentlicht wird.

In Altai, der Hauptsadt von Gorno Altaisk im sudlichen Sibirien, ist es 13 Uhr. Wahrend der Mittagspause bespricht das lokale Team die Vorbereitungen fur die Audio-Aufnahme des Neuen Testaments in der Altai-Sprache. Das Altai-NT ist 2003 veroffentlicht worden. Da fur viele Altaier Altaisch zwar ihre Muttersprache ist, sie aber nicht gewohnt sind, diese auch zu lesen, wollen sie den ganzen Text von einigen Schauspielern lesen und aufnehmen lassen.

In Kyzyl, der Hauptstadt von Tuwa in Sudsibirien, ist es 14 Uhr. Hier fahrt der Ubersetzer Nikolaj mit der Revision des Neuen Testaments in seiner Mutter-sprache Tuwinisch weiter. Das tuwinische Neue Testa-ment ist 2001 veroffentlicht worden, und nachstes Jahr soll die ganze Bibel gedruckt werden. Eine leichte Uberholung des NTs ist notig, um unter anderem sicher zu gehen, dass alle Schlusselbegriffe in beiden Testamenten ubereinstimmen.

In Ulan Ude, der Hauptstadt von Burjatien am Baikalsee, ist es 15 Uhr. Die lokale Koordinatorin Rinchin besucht einen bekannten Journalisten, um ihn zu bitten, als einer der externen Lektoren des burjatischen Neuen Testaments mitzuwirken. Dieses NT ist beinahe bereit fur die Veroffentlichung.

Gleichzeitig, aber um 16 Uhr Lokalzeit, entziffert die Ubersetzerin Sargylana die Anmerkungen zu ihrer Ubersetzung der Psalmen ins Jakutische, die ihr der stilistische Verantwortliche gestern uberreicht hat. Vielleicht hat er einige gute Verbesserungs-vorschage? Viele Psalmen werden in den Kirchen bereits gesungen, nun sollen sie als Buch herauskommen.

In Palana auf der Kamtschatka-Halbinsel im fernen Osten Russlands ist es bereits 19 Uhr. Valentina, die sprachwissenschaftliche Redaktorin des korjakischen Projekts, hat den Exegeseberater Sergej zum Nachtessen eingeladen, um mit ihm uber weitere Ubersetzungen von Bibelteilen in die korjakische Sprache zu diskutieren. Das Lukasevangelium ist 2005 herausgekommen. Weil aber kein Exegeseberater in dieser abgelegenen Gegend leben wollte, konnten wir die Ubersetzungsarbeit nicht weiter-fuhren. Nun ist Sergej nach Palana gezogen, und es gibt neue Hoffnung fur das korjakische Projekt!

Wenn Valentina am nachsten Morgen aufsteht, werden in Moskau zwei Mitarbeiterinnen, die bis spat gearbeitet haben, das Buro verlassen und dem Wachter in der kleinen Hutte beim Klostertor den Schlussel ubergeben...

Und so geht die Arbeit im IBU weiter, Stunde fur Stunde, Tag fur Tag.

Danke fur Ihre Begleitung!


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