Februar 2006
Aus dem
Leben eines exegetischen Prüfers am nördlichen Polarkreis:
IBÜ
übersetzt die Bibel für einige ethnische Minderheiten in Sibirien –
eine davon sind die Nenzen, eine Volksgruppe von etwa 40.000
Menschen in Nordwestsibirien, die hauptsächlich von der Rentierzucht
leben.
Wir
laden Sie ein, die exegetische Prüferin des nenzischen Projektes
kennen zu lernen. Eunsub aus Südkorea hat schon sechs Jahre in der
nenzischen Stadt Salechard verbracht, wo die Temperaturen im Winter
normalerweise zwischen –20° und –50° C schwanken. Hier ist ein Tag
aus ihrem Leben am nördlichen Polarkreis:
„Ich
habe bereits jeweils zwei warme Hosen und Pullover an, und außerdem,
zu guter Letzt, meinen wertvollen Computer auf dem Rücken.“
„‚Xad
ladbida, etri ladbida’ - ‚ein Schneesturm tobt, tobt einfach
fürchterlich.“
„Meine
Brille hat sich ein einen dicken Eisblock verwandelt und meine
Wimpern kleben aneinander. Stolpernd oder kriechend, ich weiß nicht
wie ich angekommen bin. Mit einem warmen, freundlichen Lächeln,
öffnet Natalia die Tür.“
„Während mein eingefrorener Computer sich aufwärmt, sitzen wir
zusammen an einem kleinen Tisch. Dann, gerade als wir uns zum
Arbeiten eingerichtet haben, schlüpft Natalia weg und legt sich auf
das Sofa. Nach einer größeren Hüftoperation ist es für sie schwierig
zu gehen oder zu sitzen. Sie übersetzt mündlich, und ich schreibe
ihre mündliche Übersetzung als Erstentwurf nieder. Ich merke, dass
die Hälfte des Inhalts fehlt, und bitte sie noch einmal weiter vorne
anzusetzen. So gehen wir vor und zurück im Text. Nachdem wir nur 10
Verse bearbeitet haben, sagt sie: ‚Das ist genug für heute.’ Sie
sieht bereits furchtbar müde aus. Ich lese ihr das, was wir heute
zusammen aufgeschrieben haben, laut vor. Ich habe immer noch eine
Menge Fragen zu speziellen Ausdrücken, aber das wird meine
Hausaufgabe und mich sicherlich bis in den Schlaf verfolgen.
Biblische Schlüsselbegriffe tauchen oft sogar in meinen Träumen
auf.“
„Es ist
bereits dunkel draußen. Die nächtliche Szenerie ist wunderschön.
Bunte Lichter an den Kanten jedes Daches leuchten in die dunkle
Nacht hinaus. Der weiße Schnee spiegelt diese Schönheit in die Luft.
Es ist wie im Märchen. Meine Brille setzt wieder Eis an und meine
Wimpern frieren ein. Gott sei Dank liegt ein Lebensmittelladen auf
dem Weg nach Hause, wo ich meine Brille auftauen und mich ein wenig
aufwärmen kann. Ich kaufe zwei Päckchen Kefir und setze meinen Weg
fort.“
„Ich
lebe im Stadtzentrum, in einem warmen Haus aus Holzplatten, jedoch
mit ein paar Mängeln. Sobald ich nach Hause komme, kontrolliere ich
die Toilette. Gott sei dank, heute keine Überschwemmung! Dann laufe
ich in die Küche und wechsele die Stapel nasser Handtücher unter dem
Spülbecken. Noch immer träume ich von einer heißen Dusche oder einem
heißen Bad, und so rufe ich erneut meinen Vermieter an und bitte ihn
dieses Chaos zu beseitigen. Das ist jetzt schon zu meiner Routine
geworden.“
„Dann
setze ich mich wieder an unseren heutigen Text und suche nach
besseren Formulierungen. Nichts soll hinzugefügt werden, nichts soll
weggelassen werden. Oft stoßen sich ‚Genauigkeit’ und ‚natürliche
Sprache’. Ich schließe das Buch und denke: ‚Das ist genug für heute.
Xonju, Xonju! – schlaf, schlaf!’ Ich muss mich selbst etwas zur Ruhe
bringen, um etwas Schlaf zu bekommen.“
Projekt des Monats
Außer
Eunsub besteht das nenzische Team noch aus zwei Übersetzern und
einem australischen Ehepaar von den Wycliff-Bibelübersetzern, die
ebenfalls als exegetische Prüfer arbeiten. Bisher wurden außer dem
Lukasevangelium noch die „Geschichten von Jesus” veröffentlicht, von
deren Text auch Kassettenaufnahmen angefertigt wurden. Jetzt
arbeitet das Team am Markusevangelium. Bitte unterstüzen Sie mit
ihrer Spende in diesem Monat die nenzische Bibelübersetzung!
Hier können Sie den monatlichen Rundbrief des IBÜ bestellen.
Archiv: I
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Nov.
05
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Okt. 05 I
in der Schweiz
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PC 80-151-4 Kontonr.: 1118-0052.986
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(Wenn möglich bitte in Englisch).
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