April 2006
„Ich habe nie in meinem Leben so viel geweint
als in dem Augenblick, als ich in meiner Muttersprache las, was Jesus sagte, als
er am Kreuz starb“
Das Lukasevangelium für die Menschen
auf Kamtschatka
„Es ist immer eine besondere Freude, wenn eine
Volksgruppe das erste Mal ein Evangelium in seiner Muttersprache bekommt,“ sagte Marianne Beerle-Moor,
Direktorin des IBÜ Russland/GUS. „Dies geschah am 14. Februar, als das Lukasevangelium auf Korjakisch
den Korjaken in Petropawlowsk, der Hauptstadt von Kamtschatka, übergeben wurde. Zum ersten Mal in der
Geschichte des IBÜ übernahmen die örtlichen Behörden eine sehr aktive Rolle in dem
Projekt: der Gouverneur selbst finanzierte die Herstellung eines Hörbuches des Lukasevangeliums auf
Kassetten, und er war
es
auch, der die Übergabefeier organisiert hat und uns ins weitentfernte Kamtschatka eingeladen hat, neun
Stunden mit dem Flugzeug von Moskau. Ich reiste mit der Übersetzerin Alewtina Schukowa, die sprachliche
Lektorin Walentina Dedyk gesellte sich aus Palana kommend zu uns.“
Auf der Kamtschatkahalbinsel (eineinhalbmal so gross wie Italien)
leben im wesentlichen drei ethnische Gruppen: die Itelmenen, die Ewenen und die Korjaken. Wie alle Volksgruppen
im Norden leiden sie unter Armut und Alkoholismus, und ihr Leben ist ohne Hoffnung. Der Schamanismus ist
weitverbreitet, und die Menschen leben in Angst. Der neue Gouverneur will für die Menschen seiner Region
eine bessere Zukunft. Er glaubt daran, dass das in ihre Sprache übersetzte Evangelium helfen wird, die
Minderheiten aus ihrer Finsternis heraus zu holen. Zusammen mit dem orthodoxen Bischof und örtlichen
Kirchen und Gemeinden verschiedener Denominationen engagiert er sich sogar bei der Verteilung der gedruckten
Evangelien.
2002
und 2003 veröffentlichte das IBÜ das Lukasevangelium für die Ewenen und die Itelmenen, und
jetzt waren die Korjaken an der Reihe, ihr Lukasevangelium zu erhalten. „Korjaken, Itelmenen und Ewenen nahmen
an der Übergabefeier teil,“ berichtete Frau Beerle-Moor. „Eine itelmenische Frau kam zu mir und erzählte
mir, dass sie den Text des Evangeliums zu ihrer Trommel singt, so wie es bei ihnen Tradition ist. Sie sagte: ‚Ich habe
nie in meinem Leben so viel geweint als in dem Augenblick, als ich in meiner Muttersprache las, was Jesus sagte, als
er am Kreuz starb – Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.’“
„Am nächsten Tag hörten wir die schockierende Nachricht, dass die Schwester unserer wichtigsten
korjakischen Lektorin Walentina am Tag der Übergabefeier ums Leben gekommen ist. Die Reaktion der
örtlichen Bevölkerung war: ‚Das ist die Strafe der Geister für unseren neuen Glauben.’ Aber die
Übersetzerin Alewtina sagte darauf hin: ‚Jetzt ist es klar, dass wir auf jeden Fall mit unserer Arbeit weiter
machen müssen.’ Auch baten uns einige Leute, mit der Bibelübersetzung in die Sprachen Kamtschatkas
fortzufahren. Sie möchten als nächstes
das
Johannesevangelium und biblische Geschichten für
Kinder.
„Kamtschatka ist schon ein sehr spezieller Ort,“ erklärte
Frau Beerle-Moor. „In dem Land mit seinen aktiven Vulkanen und überall vorhandenen heissen Quellen,
mit den Menschen, die sehr offen für die geistliche Welt sind, kann man gar nicht anders, als tief beeindruckt
und hochmotiviert zu sein, mit der Bibelübersetzung fortzufahren. Aber dafür werden neue exegetische
Prüfer und neue finanzielle Mittel benötigt!“
Projekt des Monats
Bitte unterstützen sie die Bibelübersetzung für die Menschen auf Kamtschatka in diesem
Monat mit Ihrer Spende.
Hier können Sie den monatlichen Rundbrief des IBÜ bestellen.
Archiv: I
Dez. 05
I
Nov.
05
I
Okt. 05 I
in der Schweiz
Zürcher Kantonalbank,
8010 Zürich
PC 80-151-4 Kontonr.: 1118-0052.986
Ref. Kirchgemeinde Hirzenbach, 8051 Zürich
Vermerk "Institut für Bibelübersetzung"
in Deutschland
Auskunft unter
ibt_inform@ibt.org.ru
(Wenn möglich bitte in Englisch).
in anderen Ländern
Für Angaben hierzu auf
Englisch
bzw.
Russisch
klicken Sie bitte auf die gewünschte Sprache.