15.11.2006
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Die 4 Evangelien und
die Apostelgeschichte auf Dunganisch veröffentlicht
Die
Übersetzung der Heiligen Schrift im 11. Jahrhundert ins Slawische hatte
einen enormen Einfluss auf die Bildung und Entwicklung der russischen Sprache,
ebenso wie auch die Übersetzung von Martin Luther im 16. Jahrhundert in
die deutsche Sprache. Im Zeitalter der Informationstechnologie hat die erstmalige
Übersetzung der Bibel in eine Sprache wahrscheinlich nicht mehr den gleichen
Effekt. Trotz allem kann einiges in diesem Sinne doch erreicht werden. Das Institut
für Bibelübersetzung (IBÜ) begann so die Übersetzung der
Bibel in die Sprache einer ethnischen Minderheit (Bevölkerung: 69.000), die
in Kasachstan,
Usbekistan
und Kirgisien lebt. Ihre Sprache heisst Dunganisch. Das
erste Buch der Bibel, das ins Dunganische übersetzt wurde, war 2002 das
Markusevangelium. In diesem Jahr veröffentlichte das Institut nun das zweite
Buch auf Dunganisch, die 4 Evangelien und die Apostelgeschichte.
Die Dunganen in Zentralasien kommen ursprünglich aus China, wo immer
noch etwa 8 Millionen Dunganen (Hui) leben. Sie sprechen einen chinesischen Dialekt,
der mit der Sprache von Nordostchina verwandt ist und zu den Sino-Tibetischen Sprachen
gehört. Nach der Auswanderung der Dunganen ins russische Kaiserreich brachen
alle Verbindungen mit China ab. Seit dieser Zeit änderte sich die Grammatik der
Sprache kaum, der Wortschatz jedoch deutlich. Es wurden viele Lehnwörter aus dem
Arabischen, Farsi, Russischen, Kirgisischen und aus anderen Sprachen aufgenommen.
Zwei Hauptdialekte werden von den zentralasiatischen Dunganen gesprochen – das Gansu
(nach der chinesischen Provinz Gansu benannt) und das Schanxi (nach der Provinz Schanxi
benannt). Die Dunganen in China benutzen bis heute die chinesischen Schriftzeichen,
während die zentralasiatischen Dunganen erst in den 20er Jahren des 19.
Jahrhunderts angefangen haben, ihre Sprache zu schreiben. 1952-53 wurde dann die
kyrillische Schrift eingeführt, die bis heute von den Dunganen in Zentralasien
verwendet wird.
Im Verlaufe der Arbeit an der Übersetzung baute das Institut eine gute Beziehung mit
dem dunganischen Fachbereich der Kirgisischen Nationalen Akademie der Wissenschaften
auf. Bekannte Experten auf dem Gebiet der dunganischen Sprache und Kultur haben an der
Übersetzungsarbeit mitgewirkt. Als der Text mit Sprechern des Dunganischen getestet
wurde, war es offensichtlich, dass die Übersetzung gut verständlich ist und den
Regeln der modernen Standardsprache entspricht. Es ist also möglich die Heilige Schrift
so ins Dunganische zu übersetzen, dass sie von den Menschen gelesen und verstanden
wird. Das Institut für Bibelübersetzung wird seine Arbeit im Dunganischen fortsetzen
und weitere biblische Bücher übersetzen. Als nächste Publikation ist 2008 die
Herausgabe der Pentateuchs geplant.
Wir hoffen, dass die Übersetzung der Heiligen Schrift nicht nur eine geistliche Erweckung
unter den Dunganen bewirkt, sondern auch dazu beiträgt, ihre Sprache, Kultur und Bildung
zu beleben – so wie es bereits bei vielen anderen ethnischen Gruppen in aller Welt geschehen
ist.
08.09.2006
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Biblische Geschichten auf Schorisch der
Öffentlichkeit präsentiert – als Buch und als Hörbuch
Am
8. September 2006 wurde ein Buch mit biblischen Geschichten
auf Schorisch in Taschtagol, der Hauptstadt der Schoren in
Südsibirien, der Öffentlichkeit vorgestellt. Gleichzeitig
erfolgte die Präsentation einer Hörbuchversion.
Über das Ereignis berichteten Presse, Funk und Fernsehen.
Die
Präsentation begann mit einer stimmgewaltigen
Choraufführung einer Gruppe von Priestern,
gefolgt von einem Gebet des Bischofs Aristarch von Taschtagol.
Anschliessend sprach der Bischof über die orthodoxen
Missionsaktivitäten im letzten Jahrhundert, und er brachte
seine Zufriedenheit zum Ausdruck, dass eine ähnliche
Arbeit auch jetzt getan wird – hiermit meinte er die Übersetzung
biblischer Texte. Er sprach über die
Wichtigkeit
dieser Arbeit und
erwähnte die Tradition der
Orthodoxen Kirche, an Ostern den Text in verschiedenen Sprachen
zu lesen. An den Priester der Kirche von Taschtagol gewandt,
betonte er, dass es an der Zeit sei, anzufangen, auf Schorisch zu predigen.
Sergei Sytschow, exegetischer Prüfer im Übersetzungsteam,
führte durch die Veranstaltung. Er begrüsste die Teilnehmer
und übermittelte die Grüsse des IBÜ in Moskau.
Der Übersetzer,
Gennady Kostotschakow, sprach über die Schwierigkeiten und Probleme
bei der Übersetzung, wie er gelernt hat zu übersetzen, und
über die Rolle, die die Übersetzung bei der Bereicherung des
Wortschatzes der schorischen Sprache spielt. Sein Vortrag führte
den Teilnehmern klar vor Augen, wie schwierig diese Arbeit ist und
wieviel Aufwand in der Herstellung eines solchen Buches heute steckt.
Sergei Sytschow berichtete über die Arbeit des IBÜ, wobei
er einige Beispiele aus dem Übersetzungsprozess anführte.
Er brachte auch die Fragen auf: „Warum übersetzen wir die Bibel?“
und „Wird Übersetzung gebraucht?“ Einige der Anwesenden
beteiligten sich an der Diskussion.
Ein
Vertreter der Kulturverwaltung sagte: „Dieses Buch ist eine Hilfe für
uns, weil es uns sinnvolle Wörter und Ausdrücke an die Hand
gibt und uns so hilft, mit den Leuten in unserer Sprache zu sprechen, wenn
wir christliche Feste organisieren (wie etwa Weihnachten).“
Vertreter von schorischen Kulturorganisationen drückten
ihre Sorge bezüglich der geistlichen Entwicklung unter den
Schoren aus. Sie sagten, sie fühlten sich nicht in der Lage,
das geistliche Erbe ihrer Leute mit der christlichen Spiritualität
zu versöhnen. Die Mitglieder des Übersetzungsteams
erklärten, dass das Christentum eine Wahrheit für alle
Menschen bringe, dass es aber nicht dazu bestimmt sei, das kulturelle
Erbe einer einzelnen bestimmten Nationalität zu zerstören.
Eine Person
kommentierte: „Die Bibelübersetzung trägt zu der Entwicklung
der Sprache bei, was die erste und wichtigste Bedeutung des Buches ist.
Und zweitens erweitert diese Veröffentlichung auf Schorisch den Blick
und bietet Wissen über den Glauben an. Wenn man den Synkretismus
in der schorischen Mentalität berücksichtigt, denke ich die Bibel
wird das Problem des Überlebens der schorischen
Spiritualität lösen.“
04.09.2006 |
Am 4. September 2006 fand
in Tscheboxary die Übergabefeier der Kinderbibel auf
Tschuwaschisch statt.
Die Bücher waren
schon im Laufe der Sommerferien in die tschuwaschische Hauptstadt geliefert
worden, so dass sie schon gleich zu Anfang des neuen Schuljahres zur
Verfügung standen.
Die
vom Institut für Bibelübersetzung zusammen mit dem
tschuwaschischen Kulturministerium organisierte Übergabefeier fand
in der Nationalbibliothek von Tschuwaschien statt. Unter den geladenen
Gästen befanden sich Repräsentanten des Bildungsministeriums,
Schüler des staatlichen Gymnasialinternats G.S. Lebedew,
Pädagogen, Wissenschaftler, Schriftsteller,
Journalisten, Bibliotheksmitarbeiter und Priester aus Tscheboxary
und
anderen Orten. Insgesamt waren etwa 130 Personen anwesend.
Die Feier wurde von dem
stellvertretenden Kulturminister Michail N. Krasnow eröffnet.
Nachdem er hervorgehoben hatte, dass das aktuelle Jahr in Tschuwaschien
zum Jahr der geistlichen Erneuerung erklärt worden war, begrüsste
er das Erscheinen der neuen Ausgabe der Kinderbibel auf Tschuwaschisch und
dankte dem Institut für Bibelübersetzung, das die ganze Auflage von
5.000 Exemplaren
den
Bibliotheken, Schulen und Kirchen Tschuwaschiens
kostenlos überlassen hat.
Die Direktorin der
Nationalbibliothek Swetlana M. Starikowa, die Gastgeberin der
Präsentation, sagte, dass dieses Buch nicht nur für die
Gläubigen ein grosses Geschenk wäre, sondern auch
für diejenigen, die sich auf der Suche befinden. Es leiste einen
unschätzbaren Beitrag zur Erhaltung und Entwicklung der
tschuwaschischen Sprache und des geistlichen Lebens in Tschuwaschien.
Der Rektor des Theologischen
Seminars Tscheboxary Oberpriester Michail Iwanow hob in seinem Grusswort
den positiven Einfluss der Texte der Heiligen Schrift auf die jungen Leser hervor.
Der Übersetzer Peter
Jakolew hielt seine Rede, wie einige seiner Schriftstellerkollegen, auf
Tschuwaschisch. In Form eines Gleichnisses berichtete er über
den Weg seines Schaffens, der ihn schliesslich zur Bibel führte.
Dabei wandte er sich mit seiner Geschichte hauptsächlich an die
junge Generation.
Am Tag nach der
Präsentation fand ein Treffen von Vertretern des IBÜ mit
dem Metropoliten von Tuschwaschien und Tscheboxary Barnabas statt.
Hauptthema des Treffens war die bevorstehende Ausgabe einer neuen
Übersetzung des Neuen Testaments auf Tschuwaschisch. Im Verlaufe
des Treffens wurde eine Übereinkunft über die Prozedur erzielt,
wie der vollständige Text der Übersetzung des Neuen Testaments
zum Kennenlernen an des Tschuwaschischen mächtige Priester des
Bistums verteilt werden soll. Das Institut erhofft sich von ihnen Anmerkungen
zum Text, die das Übersetzungsteam bei seiner abschliessenden
Überarbeitung der Übersetzung berücksichtigen kann.
Anschliessend segnete Bischof Barnabas die Arbeit des Übersetzungsteams
und des gesamten IBÜ und gab seinem Wunsch nach Gottes Hilfe bei
der Arbeit an der Übersetzung der Heiligen Schrift Ausdruck.
07.08.2006 |
IBÜ veröffentlicht die
Übersetzung der Bücher Genesis und Exodus ins
Ossetische. Die Arbeit an dieser Ausgabe wurde 1999 in Wladikawkas
begonnen. Das Team des IBÜ bestand aus dem Übersetzer Suren
Wanejew, den exegetischen Prüferinnen Tamara Bagaty und Inna
Smirnowa und dem sprachlichen Lektor Safar Chablijew. Gedruckt wurde
die Ausgabe ebenfalls in Wladikawkas.
Die Arbeit am
ossetischen Projekt des Instituts für Bibelübersetzung
nähert sich ihrem Abschluss. Das zuletzt erschienene Buch
dieses Projektes war die Übersetzung des Neuen Testamentes,
die im September 2004 herausgekam. Zur Zeit arbeitet das Team an
der Übersetzung der Psalmen. Voraussichtlich werden sie in einer
Ausgabe zusammen mit einer zweiten, korrigierten Auflage des Neuen
Testaments veröffentlicht werden. Reaktionen auf die erste Auflage
werden gerade ausgewertet. Diese Publikation wird dann die letzte in einer
ganzen Reihe von Büchern sein, die das Institut für
Bibelübersetzung auf Ossetisch herausgegeben hat. Die Arbeit wird
danach von anderen Organisationen (Russische Bibelgesellschaft,
Vereinigte Bibelgesellschaften) fortgeführt. Und wir hoffen, dass
in nicht allzu ferner Zukunft neben diesen drei Büchern des Alten
Testaments auch das ganze Alte Testament auf Ossetisch erhältlich
sein wird.
04.08.2006 |
Soeben sind Biblische Geschichten mit Abbildungen auf Schorisch erschienen.
Ihnen sind Kassettenaufnahmen der Erzählungen beigefügt. Die
Bücher und Kassetten werden nun in das Siedlungsgebiet der Schoren
transportiert, wo sie verteilt werden sollen. Die Schoren leben in schwer
zugänglichen Gebirgsdörfern und Gehöften. Sie sind ein
Turkvolk (Selbstbezeichnung „Tadar-Kischi"), dessen gebirgiges Siedlungsgebiet
an die Republiken Altai und Chakassien grenzt. Gemäss der letzten
Volkszählung von 2002 gibt es mehr als 14.000 Schoren.
Schon
in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts verbreitete sich unter den Schoren
die auf dem russischen Alfabet basierend Schriftsprache des nah verwandten
Altaischen. Aber bis in jüngste Vergangenheit existierte auf Schorisch
nicht einmal ein einziges übersetztes Buch der Bibel. Allerdings gab
in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Orthodoxe missionarische
Gesellschaft ein Buch mit dem Titel heraus: „Die Heilige Geschichte in
schorischer Mundart für die nichtrussische Bevölkerung
in der östlichen Hälfte des Kreises Kusnezki." Aber hierbei
handelte es sich nicht um eine Übersetzung, sondern um eine
Zusammenfassung wichtiger Texte der Heiligen Schrift in schorischer
Sprache. Seit Beginn der 90er Jahre werden erneut Bücher auf
Schorisch herausgebracht – bisher erschienen mehr als 10 Bücher
einzelner Autoren, mehrere Sammelbänder mit volkstümlicher
Literatur, Heldenerzählungen, Märchen, Sagen und Legenden
und mehr als 10 Schulbücher. In den Schulen begann man wieder,
die schorische Sprache und Literatur zu unterrichten. Es entwickelte sich
ein neues Interesse an der traditionellen Kultur, die einen fruchtbaren
Anstoss für ihre Entwicklung erhielt.
Auf Initiative des Instituts
für Bibelübersetzung wurde mit dem Markusevangelium das
erste Mal ein biblisches Buch ins Schorische übersetzt und 2004
herausgegeben. Jetzt präsentiert das IBÜ mit dem zweiten
Buch biblischen Inhalts bereits ein Buch für Kinder: eine illustrierte
Ausgabe biblischer Erzählungen, ausgewählt aus der bekannten
Kinderbibel des IBÜ. An dem Buch arbeitete ein Übersetzerteam
des IBÜ bestehend aus dem bekannten schorischen Dichter Dr. phil.
Gennadi Kostotschakow als Übersetzer, der bekannten schorischen
Dichterin Dr. phil. Lyubow Arbatschakowa als sprachlicher Bearbeiterin
und Sergei Sytschew als exegetischem Prüfer. Letzterer hat in dieser
Aufgabe schon mehr als 10 Jahre Erfahrung in verschiedenen Projekten
des IBÜ gesammelt.
Sergei
Sytschew schreibt: „In unseren Übersetzungen machen wir es uns
zur Aufgabe, nicht einfach nur den Inhalt des Buches der Bücher
mit Hilfe der schorischen Sprache wiederzugeben, sondern wir bemühen
uns dies durch die Brille der schorischen Weltsicht zu tun. Dadurch
bürden wir ihnen nicht die Denkart der alten Griechen, Juden
und Slawen auf, sondern eröffnen ihnen die Möglichkeit
mit Gott in Beziehung zu treten, durch eine ihnen verständliche
und natürliche Sprache und Weltwahrnehmung. (…) Das Problem
ist, dass viele Schoren nicht mehr ausreichend gut ihre Sprache
können, um ohne fremde Hilfe in der Sprache ihres Volkes
lesen zu können. Aber ich habe gesehen, wie Leute versucht
habe, die Übersetzung der biblischen Texte zu verstehen, weil
es ihre Sprache ist, ihre Kultur und ihre Zukunft. Die illustrierten
biblischen Geschichten mit Auszügen aus dem Alten und
dem Neuen Testament ist die erste Bibel für die Schoren.
Möge dieses Buch selbst in seiner verkürzten Variante
die Antwort auf die wesentliche Frage geben: ‚Wozu lebst Du, Mensch?‘“
02.07.2006 |
Das
Institut für Bibelübersetzung gab die 33. Übersetzung der
Kinderbibel mit illustrierten biblischen Geschichten
heraus. Zunächst auf
Russisch erschienen, aber mittlerweile in vielen Sprachen Russlands
und der GUS erhältlich, war dieses Buch für viele der
erste Schritt auf dem Weg, die Heilige Schrift kennen zu lernen.
Die
neu erschienene Kinderbibel auf Tschuwaschisch stellt eine Sammlung
von biblischen Erzählungen dar, die alle mit farbigen Abbildungen
versehen sind. Dank der leichten Verständlichkeit, maximaler
Nähe zu den Texten der Heiligen Schrift und einer Vielzahl von
direkten Bibelzitaten sind die Texte der Erzählung für
Jung und Alt von Interesse. In einem farbigen Anhang finden sich
Fotografien biblischer Orte und Karten. Dem Text sind Grussworte
des Patriarchen von Moskau Alexei II. und des Metropoliten von
Tscheboxary und Tschuwaschien Barnabas (Kedrow) vorangestellt.
Im
Laufe der Sommerferien trafen die Kinderbibeln in der
Tschuwaschrepublik ein, um im neuen Schuljahr der
tschuwaschischen Leserschaft zur Verfügung zu
stehen.
1990 führte die Tschuwaschrepublik auf ihrem Gebiet neben
dem Russischen auch das Tschuwaschische als offizielle Sprache ein.
Seitdem bildet das Tschuwaschische in allen allgemeinbildenden Schulen
und auch in einigen Hochschulen und Universitäten ein offizielles
Unterrichtsfach. In 650 Schulen in der Tschuwaschrepublik läuft
sogar der gesamte Unterricht bis zur 5. Klasse auf Tschuwaschisch ab.
In den Gebieten der tschuwaschischen Diaspora gibt es weitere etwa
300 Schulen dieser Art.
Wenn man bedenkt, dass für 86%
der 1.637.000 Tschuwaschen das Tschuwaschische die Muttersprache ist,
so kann die Auflage der Kinderbibel von 5.000 Exemplaren nur
als verhältnismässig klein bezeichnet werden. Die Bücher
werden an Bibliotheken und Schulen verteilt und soweit möglich in
Kirchen verkauft werden, damit so viele Leser wie möglich diese
neue, farbig illustrierte Ausgabe kennen lernen können.
Die Arbeit an der Übersetzung
der Kinderbibel durch ein Team des IBÜ begann 1999.
Als Übersetzer arbeiteten an dem Buch der bekannte tschuwaschische
Dichter und Philologe Petr Jakowlew und die erfahrene Redakteurin,
Journalistin und Übersetzerin Aristarcha Dmitrijewa. Natalia Mowlewa
und Natalia Mansijenko prüften den Text exegetisch und die Lehrerin
Soja Petrowa, eine ausgesprochene Kennerin der tschuwaschischen Sprache,
führte den Verständlichkeitstest durch.
Das Institut für Bibelübersetzung
hofft im September eine offizielle Übergabefeier dieser neuen Ausgabe
in Tscheboxary, der Hauptstadt der Tschuwaschrepublik, durchführen
zu können. Da das Buch schon im Sommer verbreitet wurde, hoffen wir,
dann schon einige Reaktionen auf die Übersetzung zu hören.
Aber vorläufig zitieren wir einige Zeilen aus einem Brief, den das Institut
vom tschuwaschischen Kulturministerium erhalten hat:
„In Tschuwaschien gibt es 685 öffentliche
Bibliotheken, von denen die meisten die Landbevölkerung bedienen. In
den Dörfern ist es für die Menschen heute schwierig eine eigene
Heimbibliothek aufzubauen, und die ersten Bücher für die Kinder
kommen daher aus den Bibliotheken. Nichtsdestotrotz ist es in der heutigen Zeit
auch für die Bibliotheken schwer geworden, ihren Bestand mit neuen
Büchern aufzufüllen.
Die demnächst erscheinende Ausgabe
der Kinderbibel ruft besonderes Interesse bei den Bibliotheken der Republik hervor.
Sie wird ein Buch sein, das Leser jeder Altersstufe anspricht, vom Schüler
bis zum Ruheständler. Sie wird eine wichtige Quelle für die geistliche
Erneuerung der Bevölkerung sein.“
28.06.2006 |
Patriarch von Moskau Alexei II
empfängt eine Delegation des Instituts für Bibelübersetzung
Das Treffen des
Patriarchen von Moskau Alexei II mit der Delegation des Instituts für Bibelübersetzung (IBÜ) fand im
Arbeitsgebäude des Patriarchats statt. An dem Treffen nahmen
teil die Direktorinnen von IBÜ in Moskau und in
Helsinki, Dr. Marianne Beerle-Moor und Anita Laakso,
der Direktor der Synodalbibliothek des Patriarchats Boris Danilenko,
der Vorsitzende des Vorstands von IBÜ Alexander Troizki
und die Mitarbeiter von IBÜ Andrei Desnizki,
Natalia Gorbunowa
und Sergei Tschernowanow.
Die Vertreter von IBÜ berichteten
dem Oberhaupt der Russisch Orthodoxen Kirche über strukturelle
und personelle Veränderungen im Institut und über die Arbeit,
die in der Zeit seit dem letzten Treffen mit dem Patriarchen im Jahr 2001
durchgeführt wurde. Thema des Gesprächs war insbesondere die
Übersetzung von biblischen Texten durch IBÜ in nichtslawische
Sprachen in Russland und der GUS. Mehr als 100 Ausgaben von IBÜ, die
in den letzten 5 Jahren veröffentlicht worden sind, konnten
vorgestellt werden. Unter anderem arbeitete IBÜ an dem Projekt
„Übersetzung des Neuen Testaments in 15 Sprachen bis 2005“.
Unter den letzten Veröffentlichung im Rahmen dieses Projektes
befanden sich das Neue Testament auf Jakutisch, das zum 135-jährigen
Jubiläum des jakutischen orthodoxen Bistums herauskam, und das Neue
Testament auf Ersjanisch-Mordwininsch, das Anfang 2006 mit
Perikopeneinteilung erschien, die so im orthodoxen Gottesdienst
Verwendung finden kann. Um das Projekt abzuschliessen, plant das
IBÜ in diesem Jahr noch die Übersetzungen des Neuen Testaments
ins Awarische, Mari und Tschetschenische herauszubringen.
„Es ist schön zu sehen, dass
die in Stockholm begonnene Arbeit in Russland unter der Mitarbeit
der Russisch Orthodoxen Kirche fortgeführt wird und sich weiter
entwickelt“, sagte Alexei II.
Im Verlauf des Treffens
präsentierten die Mitarbeiter von IBÜ Patriarch Alexei
II das neue Projekt „Die Bibel in 5 Sprachen und das Neue Testament
in weitere 5 Sprachen bis 2010“. Im Rahmen dieses Projektes plant
IBÜ in den nächsten 5 Jahren die Arbeit an der
Übersetzung des Neuen Testaments ins Kumyckische, Baschkirische,
Tschuwaschische, Chakassische und Nogaische abzuschliessen und die
ganze Bibel auf Tadschikisch, Tatarisch, Tuwinisch, Usbekisch und
Tschetschenisch herauszugeben.
„Es ist erfreulich, dass
in unserer Zeit, wo sich die Versuche alles Heilige zu
diskreditieren häufen (im Hinblick auf die jüngsten
Filme und Veröffentlichungen, die einen Schatten auf die
biblischen Ereignisse und die Person von Jesus Christus selbst
werfen und sie herab würdigen), ihre Wirksamkeit auf dem
Gebiet der Übersetzung des Heiligen Schrift die Aufmerksamkeit
der Gesellschaft auf Gott lenkt und den Menschen die Möglichkeit
eröffnet, sich unmittelbar an Sein Wort zu wenden.“
Bei dem Treffen wurde eine weitere
Frage erörtert. Inwiefern kann im Rahmen der Russisch Orthodoxen
Kirche eine Basis entwickelt werden, um theologische Mitarbeiter
für Projekte von IBÜ zu finden und auszubilden. Mit dem
Segen des Patriarchen wurde zu diesem Zweck ein Treffen vorgeschlagen,
zu dem die Rektoren der christlichen Universitäten, theologischen
Akademien und Seminare eingeladen werden sollen. Die Mitarbeiter von
IBÜ werden die Leiter der Ausbildungsstätten der Russisch
Orthodoxen Kirche über die Tätigkeit des Instituts und den
Bedarf an theologischen Mitarbeitern informieren.
Gegen Ende des Gesprächs
unterstützte Patriarch Alexei II die Idee des Instituts,
ein Buch mit Osterlesungen in den Sprachen Russlands herauszugeben.
Diese Ausgabe soll bis Ostern 2008 veröffentlicht werden. Sie
wird den Text des 1. Kapitels des Johannesevangeliums enthalten,
der normalerweise im Rahmen des Osternachtsgottesdiensts in
verschiedenen Sprachen vorgelesen wird. Dadurch wird das Gebot,
das Evangelium allen Völkern zu predigen, symbolisiert. So ein
Buch, das mit seiner Idee im Einklang mit dem Auftrag von IBÜ
steht, wird nach den Worten des Patriarchen ein gutes Geschenk
für die Gläubigen in Russland sein.
27.05.2006 |
Erste
Übersetzung aller 27 Bücher des Neuen Testaments ins Gagausische erschienen
 Die
Gagausen sind ein Turkvolk, das in Moldwien (135.500), in der Ukraine
(31.900) und in Russland (10.100) lebt. Es gibt verschiedene Theorien
über die Herkunft der Gagausen. Am wahrscheinlichsten ist es,
dass die Vorfahren der Gagausen turksprachige Nomaden waren
(Ogusen, Petschenegen, Polowzer). Europäische Forscher sehen
die wahrscheinlichen Vorfahren in turksprachigen Protobulgaren, die in
der zweiten Hälfte des VII. Jahrhunderts von der Wolga kommend
auf dem Balkan erschienen, und deren Nachkommen im XIII.
Jahrhundert zum orthodoxen Christentum konvertierten.
Das Gagausische gehört
zum südwestlichen Zweig der Turksprachen. Das erste Buch auf
Gagausisch erschien in Moldawien 1907 dank der Bemühungen
des gagausischen Oberpriesters Michail Tschakir. Zunächst wurden
einige übersetzte Ausschnitte aus dem Alten Testament herausgegeben,
und dann das Matthäusevangelium und das Aprakos-Evangelium, das die
Evangelientexte der gottesdienstlichen Lesung in Reihenfolge ihrer Verlesung im
Laufe des Kirchenjahres enthält. 1957 wurde ein neues
gagauisches Alphabet auf der Grundlage der kyrillischen Zeichen erstellt;
seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird jedoch ein
Alphabet auf Grundlage der lateinischen Zeichen verwendet.
Das Institut für Bibelübersetzung
fing bereits 1975 mit einem Projekt für eine Bibelübersetzung ins
Gagausische an. Dabei wurde als erstes ein Nachdruck der 1934 erschienen
Übersetzung des Matthäusevangeliums von M. Tschakir
herausgegeben. Ausserdem gab das Institut den kleinen illustrierten Band mit
Erzählungen aus den Evangelien „Das Leben von Jesus“ heraus (1981).
Aufgrund von ständigen, und
teilweise auch radikalen Veränderungen der Sprache, wie die
Einführung eines neuen Alphabets, wurde eine neue
Übersetzung biblischer Texte in die moderne gagausische
Sprache erforderlich, die dem heutigen Leser verständlich ist.
Ausserdem wurde in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei
weitem nicht das ganze Neue Testament übersetzt. Mit der
Veröffentlichung des Neuen Testaments auf Gagausisch schloss das
IBÜ eine langjährige Arbeit an der Erstellung einer neuen
Übersetzung in moderner Sprache ab.
Das Projekt wurde Anfang der
90er Jahre geplant; allerdings führte die Suche nach einem
geeigneten Übersetzer zunächst nicht zum gewünschten
Resultat. Erst 1995 kam S. Bairaktar als Übersetzer ins Projekt. Der
exegetische Prüfer D. Dannenberg (Grossbritannien) und in der Folge
der Übersetzungsberater der Vereinigten Bibelgesellschaften (UBS) D.
Clark (Grossbritannien) prüften und korrigierten den übersetzten
Text im Vergleich mit dem griechischen Original. Ein unschätzbarer
Beitrag zur Arbeit an der Übersetzung leistete der bekannte Professor
für gagausische Sprache L. A. Pokrowski.
Nach dem Tod des Übersetzers
ging die Arbeit an der Übersetzung und der Vorbereitung für
ihre Veröffentlichung in den Jahren 2001-2005 weiter: es wurden
Bemerkungen der Leser gesammelt, die Eigennamen den orthographischen
Normen des Gagausischen angepasst und vereinheitlicht, ein Programm
für die Transliteration der kyrillischen Schrift in die lateinische
erstellt und der übersetzte Text nach den gagausischen
Rechtschreibregeln korrigiert.
In Anbetracht der schwierigen
soziolinguistischen Situation in Gagausien wurde die Entscheidung
getroffen, einen Teil der Auflage in kyrillischer Schrift und einen Teil
in lateinischer Schrift zu drucken. Die ältere Generation ist
nämlich an die kyrillische Schrift gewöhnt, während
in Schulen und Universitäten die lateinische Schrift verwendet wird,
in der auch Zeitungen, Zeitschriften und Bücher auf Gagausisch erscheinen.
Jetzt haben die gagausischen
Leser Zugang zu einem zeitlos gültigen Werk der Weltkultur
und können das Wort Gottes in ihrer Sprache lesen.
25.05.2006 |
Übergabefeier der Psalmen, der Genesis und des
Buches Ruth auf Kalmückisch in der Nationalbibliothek in Elista
Die Arbeit an der Übersetzung
unter der Federführung des Instituts für Bibelübersetzung (Moskau)
dauerte 5 Jahre.
 Neben den Psalmen wurden bei der
Feier auch die beiden alttestamentlichen Bücher Genesis und Ruth vorgestellt,
die in einem Band herausgegeben worden sind. Jeder Teilnehmer der Übergabefeier
erhielt beide vorgestellten Bände als Geschenk.
Der Erzbischof von Elista und
Kalmückien Sosima sagte zur Eröffnung der Veranstaltung:
„Für uns ist das Erscheinen der Psalmen auf Kalmückisch vor
allen Dingen ein kulturelles Ereignis. Wir freuen uns, dass die kalmückische
Literatur durch einen solchen Schatz bereichert worden ist. In dem Buch der
Psalmen Davids kann jeder Mensch das für seine Seele Notwendige finden.
Wir sind den Leuten dankbar, die an
seiner Übersetzung gearbeitet haben.“
Auf Initiative des Bistums wurde W.K. Schugraewa für den Metropolit-Innozenz-Orden der Russisch Orthodoxen Kirche zur
Würdigung ihrer Verdienste bei der Übersetzung
biblischer Texte ins Kalmückische vorgeschlagen.
Der Stellvertreter des Ministers für Kultur und Information N. D. Sandjiew
würdigte die Arbeit an der Übersetzung der Heiligen Schrift. In seiner
Rede bei der Übergabefeier sagte er, dass durch dieses Buch dem
kalmückischen Volk ein Schatz der Weltkultur zugänglich
gemacht worden ist. Im Rahmenprogramm der Übergabefeier sang
der Chor des Bistums. Einer der kalmückischen Studenten verlas den
26. Psalm auf Kalmückisch, Alle Anwesenden öffneten ihre
Bücher und zusammen mit dem Vorleser lasen sie zum ersten Mal
diese Verse in ihrer Muttersprache.
Als
Übersetzerin arbeitete wie schon zuvor bei der Übersetzung des Neuen
Testaments die Dichterin W. K. Schugraewa. B. Long und K. Huttar von den
Wycliff-Bibelübersetzern waren die exegetischen Prüfer. Prof.
Dr. phil. P.Z. Bitkeewiy von der kalmückischen staatlichen Universität
bearbeitete die Übersetzung in sprachlicher Hinsicht. Bei der abschliessenden
Konsultation wirkte einer der besten Spezialisten für Bibelübersetzung
Dr. David Clark als Übersetzungsberater mit.
Wir hoffen, dass diese Bücher
ihre Leser finden, für die die Worte der Weisheit, des Trostes und der
Ermutigung ganz neu verständlich werden.
17.05.2006 |
Bibelausstellung im russischen Parlament
Vom 17.-19. Mai 2006 führten
die Russische Bibelgesellschaft, der Verlegerrat der Russisch
Orthodoxen Kirche, der orthodoxe Wohltätigkeitsfond „Pereswet“, die synodale
Bibelkommision und die Synodalbibliothek des Moskauer
Patriarchats im Gebäude der Duma, des russischen Parlaments, eine
Ausstellung zum Thema „Die Bibel in Russland“ durch.
Die Ausstellung war einigen wichtigen Daten gewidmet, die für Russland
eine grosse wissenschaftliche, kulturelle und geistliche Bedeutung haben:
2006 sind der 950. Jahrestag des
Ostromir-Evangeliums, der 130. Jahrestag der Synodalübersetzung der
Bibel und der 50. Jahrestag der ersten Massenausgabe der russischen Bibel
in moderner Rechtschreibung durch den Verlag des Moskauer Patriarchats.
„Das Interesse der Mitarbeiter
der Duma an der Bibel ist vollkommen erklärlich, wenn man die
staatenbildende Rolle im Blick hat, die das Christentum im Schicksal
unseres Landes spielte“, sagte Patriarch Alexei II. in seinem Grusswort an
die Organisatoren und Besucher der Ausstellung. Nach seinen Worten „dient
die Bibel nicht nur als Quelle göttlicher Offenbarung für Hunderte
Millionen von Christen, sondern ist auch eine der wichtigsten Grundlagen der
Weltkultur.“
Seltene Handschriften, Bücher
und Videomaterialien illustrierten in der Ausstellung die Geschichte der
Übersetzung und der Herausgabe der Bibel in Russland. Die Ausstellung
zeigte insbesondere das handschriftliche Ostromir-Evangelium (1056/57), die
Gennadi-Bibel, die erste komplette Bibel in altslawischer Sprache (1499), die erste
in Moskau gedruckte Bibel (1663) und die Elisabethenbibel (1751).
Auf
der Ausstellung wurden auch Materialien ausgestellt, die die Verbreitung der
Heiligen Schrift in Russland in den Sprachen der dort wohnenden Völker
vom 10. Jahrhundert bis in die Gegenwart zum Thema hatten. Die Ausstellung
umfasste ebenfalls Ausgaben des Instituts für Bibelübersetzung, darunter
das Neue Testament auf Tatarisch, Kalmückisch, Ossetisch, Tuwinisch und
Jakutisch, die 4 Evangelien auf Tabassaranisch und Tschuwaschisch und das
Evangelium nach Lukas auf Itelmenisch.
Die Bibel im Gostiny Dwor
Nach einer Woche, am 3.
Juni, zog die Ausstellung „Die Bibel in Russland" in leicht vermindertem Umfang
an den neuen Ausstellungsplatz „Orthodoxes Rus" im Gostiny Dwor. Dort
wurde sie einem breiteren Moskauer Publikum vorgestellt, das gekommen war, um
die Wirksamkeit und die Ausgaben von vielen orthodoxen Verlagen, Klöstern
und Bistümern der Russisch Orthodoxen Kirche kennenzulernen.
Bei
einem Rundgang durch die Ausstellung waren die Mitarbeiter des IBÜ freudig
überrascht sowohl an dem Stand des Bistums Kalmückien und Elista als
auch an dem des Bistums von Petropalowsk und Kamtschatka Bücher des IBÜ
zu finden. Am ersteren fanden sich die Ausgaben des Neuen Testamentes (IBÜ, 2002),
der Bücher Genesis und Ruth (IBÜ, 2006) und der Psalmen (IBÜ, 2006) auf
Kalmückisch zusammen mit gestickten Ikonenarbeiten der Schüler des
Homto-Otschirowa-Gymnasiums
in Elista und den Seidenmalereien
mit biblischen Themen des kalmückischen Malers Alexander Powaew.
Am Stand des weitentfernten Kamtschatka lagen das Evangelium nach Lukas
auf Itelmenisch (IBÜ, 2003) neben Büchern des Verlags
„Skrijali Kamtschatki" über die 300-jährige Geschichte der
Orthodoxie auf Kamtschatka, die wunderschön mit einer weichen
Verzierung aus Polarhirschfell geschmückt waren.
Es ist erfreulich, dass die
Übersetzungen biblischer Texte in die Sprachen der Völker Russlands immer
mehr die Anerkennung der Russisch Orthodoxen Kirche bekommen und den
gebührenden Platz im Leben der Pfarreien und der pastoralen Tätigkeit
der orthodoxen Geistlichkeit einnehmen.
18.03.2006 |
Seminar für „Anfänger“
11.-16. März 2006
Vom
11.-16. März versammelten sich neue Mitarbeiter aus den Übersetzerteams zu einem Seminar in
Swenigorod. Die Teilnehmer waren zukünftige Übersetzer, sprachliche Bearbeiter und Leute, die die
Bibelübersetzungen auf ihre Verständlichkeit hin prüfen werden. Man kann sie nur sehr schlecht
als „Anfänger“ bezeichnen, denn obwohl sie gerade erst ihre Mitarbeit in der Bibelübersetzung beginnen,
sind sie doch alle Spezialisten in ihren eigenen Sprachen – Abchasisch, Kumükisch, Gagausisch,
Baschkirisch, Karbadinisch, Balotschi und Nogaisch.
Die
Teilnehmer, die sich alle dazu entschieden haben, in Sprachprojekten mitzuarbeiten, werden bald eine völlig
neue Aufgabe meistern müssen - die Kunst der Bibelübersetzung. Von Anfang an unterrichteten
erfahrene Dozenten – Übersetzungsberater von IBÜ und der Internationalen Bibelgesellschaften – so
verschiedene Themengebiete, wie die Einführung in die biblische Kultur und Geschichte, einfache
Kommunikationstheorie, allgemeine Übersetzungsprinzipien, funktionale Äquivalenz,
Übersetzung von in der Zielsprache unbekannten Ausdrücken, Übersetzung von Redewendungen
und Schlüsselbegriffen, Einführung in die Textgrammatik, etc. Die Koordinatoren der
Übersetzungsprojekte informierten ihre neuen Mitarbeiter über die Strukturen der
Übersetzerteams, den Ablauf des Übersetzungsprozesses und die Prüfung der
Verständlichkeit der Übersetzung vor Ort.
Beginnend mit diesem Seminar führt das
IBÜ nach einer mehrjährigen Pause wieder Ausbildungskurse durch. Die Unterbrechung erfolgte
aufgrund fehlender Finanzen für diese Art von Bildungsveranstaltungen. Da die Probleme jetzt gelöst
worden sind, können wir jetzt weitere Pläne für künftige Seminare
machen.
14.02.2006 |
Die erste Übersetzung des Lukasevangeliums ins Korjakische
Am 4. Februar
fand in Petropalowsk-Kamtschatski die Übergabefeier des ins Korjakische übersetzten Lukasevangelium
statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Regierung des Autonomen Kreises der Korjaken, dessen
Gouverneur Oleg Koschemjako persönlich, dem Bistum Petropalowsk der Russischen Orthodoxen Kirche und
dem Institut für Bibelübersetzung (IBÜ), das biblische Texte in den Sprachen von 65 Volksgruppen
verlegt. An der Übergabefeier nahm eine Delegation des IBÜ teil, die von der Direktorin des Instituts Frau
Dr. Marianne Beerle-Moor angeführt wurde.
Das Bibelübersetzungsprojekt ins Korjakische wurde 1992
vom IBÜ begonnen. Die Aufgabe des korjakischen Übersetzerteams war, eine Übersetzung des
Lukasevangeliums zu erstellen, die für den heutigen korjakischen
Leser leicht verständlich
sein
sollte. Viele Jahre arbeiteten hochrangige Spezialisten auf dem Gebiet der
korjakischen Sprache an dem Text des Buches: die Übersetzerin Dr. phil. Alewtina Nikodimowna Schukowa
(Spezialistin für nordkamtschatkische Sprachen und Professorin an der Staatlichen pädagogischen
Universität in St. Petersburg) und die sprachliche Bearbeiterin Dr. phil. Walentina Romanowna Dedyk
(Lehrbeauftragte für korjakische Sprache an der Pädagogischen Lehranstalt in Palana), und
darüber hinaus die exegetische Prüferin Marina Konstantinowna Wasiljewa (IBÜ, Moskau) und
der Übersetzungsberater Mick Foster (SIL, Grossbritannien).
Die gesamte Arbeit an der Vorbereitung der Übersetzung des
Lukasevangeliums kann man als Pionierleistung ansehen: angefangen von der Ausarbeitung eines für das
Korjakische neuen biblischen und religiösen Wortschatzes, die Überwindung der Schwierigkeiten,
verbunden mit dem Fehlen eines vollständigen zweisprachigen Wörterbuches und schliesslich die
Notwendigkeit, die Spezialisten im Korjakischen in die für sie neue Aufgabe einzuführen – die
Übersetzung biblischer Texte.
Das Lukasevangelium auf Korjakisch kam pünktlich zu einem
bedeutenden Ereignis heraus – zum Jubiläum 300 Jahre Orthodoxie auf Kamtschatka – und wurde als
Geschenk zu diesen Feierlichkeiten aufgenommen. Der Bischof von Kamtschatka und Petropalowsk Ignatius
(Pologrudow), der vor gar nicht langer Zeit schon die vom IBÜ 2002 und 2004 herausgegebenen
Lukasevangelien auf Itelmenisch und Tschukotisch freudig begrüssen konnte, schrieb ein Vorwort für
die korjakische Ausgabe. Der Gouverneur des Autonomen Kreises der Korjaken Oleg Nikolajewitsch Koschemjako
besorgte die notwendigen Mittel, um ein Hörbuch des Evangeliums auf Kassetten herstellen zu können.
Wir hoffen, das es den Kreis der Leser wesentlich erweitert und den übersetzten Text besser verständlich
macht für Leute, die nicht gewohnt sind, in ihrer Muttersprache zu lesen.
Nach den Worten von Oleg Koschemjako soll jedes Volk die
Möglichkeit haben, die Heilige Schrift in seiner eigenen Sprache lesen zu können und so in dieser
Sprache mit Gott Beziehung zu pflegen. Die Liebe zur Muttersprache setze im Menschen grosse Kräfte frei,
öffne ihm den Weg zu neuen Erfolgen, die er niemals getrennt vom inneren Reichtum und riesigen inneren
Potenzial seines Volkes erreichen könne. Dieser Weg im Rahmen der Kirche führe zur echten
Freiheit.
Auf die Frage, weshalb man denn das Evangelium in eine Sprache
übersetzen solle, die für die Mehrheit des korjakischen Volkes nicht mehr die erste ist, antwortete der
Gouverneur: „Die Übersetzung des Lukasevangeliums besitzt nicht nur kulturelle Bedeutung, sondern auch
einen linguistischen Wert für unsere Region. Die Zahl der Sprecher des Korjakischen nimmt kontinuierlich ab,
wie die Daten der letzten beiden Volkszählungen zeigen: 1989 waren es noch 4.700 Sprechen, 2002 nur noch
3.000. Die Sprache ist die Seele eines Volkes, ein untrennbarer Bestandteil seiner Weltsicht und Kultur, seine
grundlegende Verbindung mit der es umgebenden Welt. Ein Text in der Sprache der Vorfahren, selbst wenn diese
Sprache bei einem Teil der Menschen unverschuldeterweise in Vergessenheit geraten ist, wird doch vollkommen
anders aufgenommen, als ein Text in jeder anderen Sprache. Dies betrifft an erster Stelle die Heilige Schrift. Ich
beherrsche das Korjakische nicht, aber es scheint mir doch, dass dieses wunderbare Gefühl nur kleinen
Völkern zugänglich ist, die trotz aller Schwierigkeiten ihre Wurzeln bewahrt haben.“
Die Auflage des Lukasevangeliums wird ins Siedlungsgebiet der
Korjakien gebracht und an Pfarreien, Schulen und Bibliotheken verteilt.
10.02.2006 |
Pentateuch, Psalter und das Buch der Sprüche
auf Tuwinisch
Soeben
sind die Übersetzungen des Pentateuch, des Psalters und des Buches der Sprüche auf Tuwinisch
erschienen. Die Übersetzung dieser sieben Bücher des Alten Testamentes wurde vom Institut für
Bibelübersetzung in einem Band veröffentlicht und in einer Auflage von 5.000 Exemplaren gedruckt.
Dieses Buch ist das Ergebnis der mehrjährigen gewissenhaften Arbeit des Übersetzerteams des
IBÜ. Die Übersetzer, Prüfer und Tester arbeiten unmittelbar im Siedlungsgebiet der Sprecher der
Zielsprache, in Tuwa, einer Republik der Russischen Förderation, die im Süden Sibiriens an der Grenze
zur Mongolei liegt.
Die Übersetzung der Bücher Exodus, Levitikus, Numeri,
Deuteronomium und der Psalmen ist die erste ins Tuwinische, während die Bücher Genesis und die
Sprüche Salomos Neuübersetzungen sind. (Die erste Übersetzung dieser Bücher ins
Tuwinische wurde durch ein anderes Übersetzerteam angefertigt und 2002 in kleiner Auflage
veröffentlicht.)
Die
Herausgabe neu übersetzter Bücher des Alten Testaments wurde von den tuwinischen Christen schon
lange ungeduldig erwartet. Diese Bücher sind nicht nur wichtig in der christlichen Theologie, die
Bücher des Alten Testamentes stehen auch der Mentalität der Tuwinen besonders nahe. Nach den
Worten von Jelena Samba, Testerin im tuwinischen Übersetzerteam „berühren die poetischen Worte
der Psalmen und Sprüche das Herz meiner Landsleute wesentlich tiefer als normale Prosa. (Besonders wertvoll
war in diesem Zusammenhang der Beitrag des Dichters Nikolai Kuular, Mitglied des Schriftstellerverbandes der
Russischen Förderation, der als Übersetzer an diesen Büchern
arbeitete. – Anm. des Red.). Die
nomadische Lebensweise der alttestamentlichen Patriarchen, wie sie uns im Pentateuch berichtet wird, stimmt in
vielem mit der traditionellen tuwinischen Kultur überein. Denn es liegt in der Tat nicht länger
zurück als die Mitte des 20. Jahrhunderts, dass wir selbst noch Nomaden waren und mit unseren
Rinderherden von Ort zu Ort zogen. Ich denke, dass die tuwinischen Leser, sowohl die Gläubigen als auch die
Nichtgläubigen, sehr froh über die Möglichkeit sein werden, dieses Buch lesen zu
können.“
Witali Woinow,
exegetischer Prüfer
des tuwinischen Übersetzungsprojektes des IBÜ
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