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25.11.2005 |
Neue Ausgaben
des IBÜ in drei kaukasischen Sprachen
Die gewöhnliche Zeit für die Ernte ist der Herbst, aber das
Institut für Bibelübersetzung (IBÜ) erntet das ganze Jahr hindurch. Im November kamen praktisch gleichzeitig 3 Bücher
aus der Druckerei – dabei handelte es sich um Übersetzungen in 3 kaukasische Sprachen: Das Lukasevangelium auf
Agulisch und
auf
Inguschisch und ein Buch mit dem Titel “Menschen in Zeiten der Not” auf
Tschetschenisch, das die biblischen Bücher
Esther, Prediger, Klagelieder und Daniel in sich vereinigt. Für die
Agulen und die Inguschen sind dieses die ersten biblischen Texte
überhaupt, die in ihren Sprachen veröffentlicht worden sind. Alle drei
Übersetzungsprojekte werden in
Zusammenarbeit mit den Wycliff-Bibelübersetzern (SIL)
durchgeführt.
Tschetschenisch
Auf Tschetschenisch hat das IBÜ bereits Bücher veröffentlicht.
Die erste Probeausgabe des Johannesevangeliums kam 1986 heraus, das Lukasevangelium 1998 und ein Band mit den biblischen Büchern
Genesis, Jona und Ruth 2002. Nun wurde eine Sammlung von vier alttestamentlichen Büchern den tschetschenischen Lesern vorgelegt. Und das
professionelle und fleissige tschetschenische Übersetzerteam hat grosse Pläne für die Zukunft – in ein paar Jahren soll die ganze
Bibel für die Veröffentlichung fertiggestellt sein!
Agulisch
Nach der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2002 leben 28.000 Menschen in Russland, die Agulisch sprechen. Die Heimat der Agulen ist
das Bergland im Süden
Dagestans. Sie leben
hauptsächlich von der Landwirtschaft. Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion mussten die Agulen ihre Nationalität mit lesginisch
angeben.
Die agulische Schriftsprache wurde erst in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt. So war das Lukasevangelium
nicht nur der erste biblische Text auf Agulisch, sondern auch eines der allerersten Bücher auf Agulisch überhaupt. Da nicht viele Agulen gut
in ihrer Sprache lesen können, wird gerade eine Kassettenaufnahme des Evangelientextes produziert, von der wir hoffen, dass sie nützlich
für die Agulen sein wird. Als Nächstes plant das IBÜ/Russland die Gleichnisse aus dem Lukasevangelium mit Abbildungen
versehen herauszugeben.
Inguschisch
Nach
der Volkszählung von 2002 gibt es etwa 415.000 Inguschen. Ihre Sprache ist mit dem Tschetschenischen verwandt. Beide Sprachen
gehören zur Nachogruppe der kaukasischen Sprachfamilie. Das inguschische Alfabeth wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst auf der
Basis der arabischen Schrift, dann der lateinischen Schrift erstellt. 1938 wurde schliesslich ein Alfabeth auf kyrillischer Basis eingeführt. Die
Republik Inguschetien wurde erst 1992 geschaffen, was einen starken Impuls für die Entwicklung der nationalen Wissenschaft und Kultur
auslöste.
Die Mitarbeiter des IBÜ und die Mitglieder der tschetschenischen, agulischen und inguschischen Übersetzungsteams hoffen, dass
diese neuen Bücher ein grosser Segen für die Angehörigen dieser Sprachgruppen werden. Möge die biblische Botschaft dabei
helfen, Angst und Misstrauen zu überwinden, und mögen die Texte zu einem gegenseitigen Verstehen und einer gegenseitigen Bereicherung
der Nationen und Kulturen führen.
20.09.2005 |
Kolloquium
zur Bibelübersetzung in Sprachen muslimischer Völker
Unter den 65 Projekten, an denen IBÜ arbeitet, befinden sich 35,
in denen die Übersetzung in Sprachen von Völkern erfolgt, die Anhänger des Islam sind. Darunter
befinden sich die mehr als 26 Millionen Usbeken, die 5 ½ Millionen Tataren, die die erste Übersetzung des
Neuen Testamentes in ihre Sprache 2001 erhielten, und Völker Dagestans, denen einige zehntausend bis
über eine halbe Million Menschen angehören.
Vom 19.-20. September 2005 fand im IBÜ (im grünen Saal der synodalen Bibliothek im
St.- Andreas-Kloster) ein Kolloquium zur Bibelübersetzung in Sprachen muslimischer Völker statt.
Übersetzer, exegetische Prüfer und andere Mitarbeiter aus verschiedenen Projekten des IBÜ, aber
auch Gäste aus Partnerorganisationen (vor allem von den Wycliff-Bibelübersetzern) kamen zusammen,
um gemeinsam spezielle Probleme bei der Übersetzung
in eben diese Sprachen zu erörtern und
zusammen über mögliche Lösungswege nachzudenken.
Unter anderem wurden folgende Fragen besprochen:
In welcher Reihenfolge übersetzt man sinnvollerweise die biblischen Bücher für eine muslimische
Leserschaft? Welche Besonderheiten hat die Zusammenarbeit eines Christen als exegetischer Prüfer und eines
Moslems als Übersetzer? Inwieweit bewahrt eine christliche Minderheit die Traditionen ihres mehrheitlich
muslimischen Volkes? Kann man die islamische religiöse Terminologie (z.B. „Allah“ für „Gott“) in den
Übersetzungen verwenden? Welche Einflüsse islamischer Kultur gibt es bei den Völkern, die an
den Rändern der islamischen Welt leben, jedoch im wesentlichen eine christliche Tradition haben
(Tschuwaschen, Osseten)?
Es versteht sich, dass im Verlauf des Kolloquiums auch andere Fragen zu dem gestellten
Thema besprochen wurden. Neben Vorträgen der Teilnehmer und der Aussprache darüber, gab es auch
allgemeine Diskussionsforen, in denen Fragen von allseitigem Interesse diskutiert wurden. Wir hoffen sehr, das
diese Art
von Treffen, die zweifelsohne interessant und nützlich sind, auch in Zukunft stattfinden
können.
Gegen
Ende des Kolloquiums erhielten alle Teilnehmer die soeben erschienene Ausgabe des
IBÜ „Bibel und
Koran“. Bei diesem Buch handelt es sich um den Versuch, dem russischsprachigen Leser eine systematische
Vorstellung über die inhaltlichen Parallelen zwischen der Bibel und dem Koran zu geben. Inhaltlich
parallele Texte aus Bibel und Koran sind nebeneinandergestellt, wie z.B. die Berichte über
Abraham – Ibrahim, Mose – Musa und Jesus – Isa. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in den Büchern
der Bibel die Erzählungen im Allgemeinen in chronologischer Reihenfolge erfolgen, im Koran jedoch thematisch
angeordnet sind. Darüber hinaus werden auch die Aussagen von Bibel und Koran zu den Themen Gott und
Schöpfung, Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen, Beziehung zwischen Mann und Frau und Krieg
und Frieden vergleichend zusammengestellt. Wir hoffen, dass dieses Buch in erster Linie für alle diejenigen
interessant und nützlich ist, die sich mit der Bibelübersetzung beschäftigen, aber auch
darüber hinaus einen weiten Leserkreis finden wird, der mehr über die Gemeinsamkeiten und
Unterschiede in Bibel und Koran erfahren möchte.
05.09.2005 |
„Die Propheten“ auf Krimtatarisch
Soeben
erschien auf Krimtatarisch das Buch „Die Propheten“ , das zusammen mit der
Partnerorganisation Pioneer Bible Translators bearbeitet wurde. Es stellt die erste Übersetzung von
Ausschnitten aus dem Alten Testament in diese Sprache dar. Es handelt sich um Berichte über Personen des
Alten Testaments, die im Islam als Propheten bezeichnet werden. In der Ausgabe sind Ausschnitte aus Genesis,
Exodus, 1. und 2. Samuel, 1. Könige, Daniel und Jona und auch kleinere Abschnitte aus dem Neuen Testament
enthalten.
Mit dieser Ausgabe halten die Krimtataren ein Buch in Händen, in dem
sie Berichte über die Schöpfung der Welt, über den ersten Menschen Adam und über den
Bau von Noahs Arche finden. In dem Buch enthalten sind darüber hinaus Berichte über Mose, der die
Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft geführt hat, über David, der Goliath besiegte,
über Salomo, der den ersten Tempel für Gott erbaut hat, über Daniel, der in der Löwengrube
nicht von den Löwen aufgefressen wurde, und über Jona, der drei Tage im Bauch eines grossen Fischen
war.
Der Geschichte jeder dieser Personen sind Auszüge aus dem Neuen
Testament beigeordnet, die helfen, ihr Leben neu zu sehen, und es mit dem Leben späterer Generationen in
Verbindung zu bringen.
Die Mitglieder des Übersetzerteams hoffen, dass dieses
kleine Büchlein das Interesse der Leser an der Heiligen Schrift weckt und die Leserschaft darauf vorbreitete,
auch die ganze Bibel zu lesen, an deren Übersetzung zur Zeit gearbeitet wird.
J. Schwed,
exegetischer Prüfer im krimtatarischen Projekt
23.08.2005
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Erste Übersetzung des Lukasevangeliums ins Belutschische
Der Plan, die Bibel für die in
Turkmenistan lebenden Belutschen zu übersetzen, wurde vom IBÜ schon 1990 gefasst. Trotzdem wurden
die ersten Übersetzungsarbeiten erst 7 Jahre später durchgeführt. Bisher sind die 4 Evangelien, die
Apostelgeschichte und die Offenbarung ins Belutschische übersetzt, jedoch nur das Lukasevangelium wurde
bisher veröffentlicht. Die restlichen Bücher müssen noch geprüft und weiter bearbeitet
werden. Leider lässt die schwierige politische Situation in Turkmenistan eine ungehinderte Arbeit im Projekt
nicht zu.
Der Dialekt, in dem die Belutschen
Turkmenistans sprechen, heisst Rachschanisch und hat etwa 50.000 Sprecher. Er unterscheidet sich stark von den
anderen Dialekten des Belutschischen, die in Pakistan, dem Iran und Afghanistan gesprochen werden. Die letzteren
werden in arabischer Schrift geschrieben. Für das in Turkmenistan gesprochene Belutschisch wurde zu Beginn
der 30er Jahre eine Schrift auf der Grundlage des lateinischen Alphabetes entwickelt. Dieses existierte jedoch nicht
lange - nur bis 1938. In dieser Zeit wurden einige Schulbücher und politisches Informationsmaterial auf
Belutschisch herausgegeben. 1938 wurde das lateinische Alphabet von dem kyrillischen abgelöst, aber in der
Zeit von 1938 bis 1989 erschienen weder Zeitungen noch Bücher auf Belutschisch. Die Sprache existierte ohne
offiziellen Status nur in gesprochener Form weiter. Trotzdem vergassen die Belutschen ihre Muttersprache nicht, weil
sie die einzige war, die die Menschen im Alltag verwendeten.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde damit
begonnen, die Bibel in 2 weitverbreitete Dialekte in Pakistan zu übersetzen. Einer der beiden Dialekte war der
sogenannte Küstendialekt, der hauptsächlich in Karatschi gesprochen wird. Aber für die
Belutschen Turkmenistans sind diese Dialekte nicht verständlich, so dass eine Übersetzung in ihren
eigenen Dialekt notwendig war.
Alle Beteiligten an dem belutschischen
Übersetzungsprojekt haben eine philologische Ausbildung und arbeiten als Turkmenischlehrer an
Mittelschulen. Einer von ihnen war der erste der belutschischen Lehrer, die ihre Muttersprache als
eigenständiges Unterrichtsfach gelehrt haben. Er ist auch Autor von 2 Schulbüchern für den
Belutschischunterricht in den ersten Klassen.
Einer der notwenigen Schritte im
Übersetzungsprozess - der Verständlichkeitstest - wurde unter ungewöhnlichen Bedingungen
durchgeführt. Die Belutschen liessen sich zum Teetrinken nieder und hörten der Lesung des Gastes
gespannt zu. In deren Verlauf machten sie Bemerkungen, ohne dass die Wertung der Verständlichkeit eine
rein subjektive Angelegenheit wurde. Die abschliessende Bewertung der Qualität der Übersetzung wurde
mit der Mehrheit der Stimmen getroffen.
Die Belutschen Turkmenistans sind
sunnitische Muslime. Viele von ihnen sind tief überzeugt von ihrem Glauben. In einer solchen Situation ist es
wichtig, dass die biblischen Texte auch von der muslimischen Leserschaft angenommen wird. Daher wurde die
Entscheidung getroffen, den ersten biblischen Text auf Belutschisch nicht nur in kyrillischer Schrift herauszugeben,
sondern ebenfalls in arabischer.
Wir hoffen, dass die erste Ausgabe einer
Übersetzung des Lukasevangeliums den Belutschen Freude bringt, und sie in ihm nicht nur
Erzählungen über das Leben und die Wirksamkeit der Propheten suchen, die sie schon aus dem Koran
kennen, sondern dass sie sich eine ganz neue Welt und ganz neuen Frieden erschliessen.
S. Aksenow, exegetischer Prüfer des belutschischen
Projektes des IBÜ
29.06.2005
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Das Institut
für Bibelübersetzung gibt den ersten biblischen Text auf Nganasanisch - Auszüge
aus dem Lukasevangelium -
heraus
Wenn man sich vor 1995 in der Literatur über die Nganasen
informierte, so erfuhr man, dass die Sprache dieses Volkes nicht verschriftet wäre. Mittlerweile hat sich die
Situation allerdings geändert: für die Sprache wurde eine Schrift entwickelt, Lehrmaterialien für den
Nganasischunterricht in den ersten 4 Klassen erarbeitet und eine erste Fibel herausgebracht. Bei den Nganasen
handelt es sich um ein sehr kleines Volk, dass sich seine eigene Kultur bewahren konnte und nicht von den benachbarten
Dolganen und Nenzen assimiliert wurde. Die 849 Nganasen leben eng beieinander im autonomen Bezirk
Tajmyr. Als eigenständige Volksgruppe erschienen sie im 17. Jhd. Ihre
Sprache gehört der nordsamojedischen Untergruppe des samojedischen Zweiges der uralischen Sprachfamilie
an. Sie zerfällt in 2 Dialekte: das Awamische und das Wadejewische. Für 83% der Nganasen ist
Nganasisch ihre Muttersprache. Die Nganasen sind nach wie vor ihren Traditionen und Gebräuchen eng
verbunden. Wenn aber die eigene Sprache verschwindet, hat das bekanntermassen negative Auswirkungen auf die
Entwicklung einer Kultur im Ganzen. Daher ist für jedes Volk die Bewahrung seiner Sprache, in der seine
Vorfahren gesprochen haben, besonders wichtig.
1999 wurde vom Institut für Bibelübersetzung ein Projekt
zur Übersetzung von Auszügen aus dem Lukasevangelium ins Nganasische begonnen. Erschwert wurde
die Arbeit dadurch, dass es so gut wie keine Literatur in der Sprache gibt und viele neue Ausdrücke und
Wendungen erarbeitet werden mussten. So war es nicht einfach, Wörter für viele konkrete
Gegenstände zu finden. Aber auch Begriffe wie „Reich Gottes“, „Tempel“ und „Diener“ fehlten in der Sprache.
Um den Sinn richtig wiederzugeben, musste man daher zu umschreibenden Formulierungen greifen.
Die Übersetzung wurde durch ein Übersetzungsteam des
Instituts für Bibelübersetzung durchgeführt. Übersetzerin war Swetlana Nerejewna
Schownizkaja, die Verfasserin der Fibel und anderer Lehrmaterialien. Trotz der Schwierigkeiten, die im Verlauf des
Übersetzungsprozesses überwunden werden mussten, empfand sie die Arbeit als interessant und
herausfordernd. „Sehr wichtig und bedeutsam ist es, dass eines der ersten Bücher in unserer Sprache eine Teil
der Bibel ist – die Auszüge aus dem Lukasevangeliums. Ich habe mit besonderem Interesse an der
Übersetzung gearbeitet in dem Wissen, dass diese von künftigen Generationen benötigt
wird,“ sagte S.N. Schownizkaja. Das Buch ist in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben und
enthält farbige Abbildungen. Der Text kann in der Schule als Lesebuch für alle Klassen verwendet
werden. Darüber hinaus ist geplant ihn im örtlichen Radio zu senden.
15.06.2005 |
Das Buch der Sprüche auf Awarisch und Beschtinisch
veröffentlicht
Im Rahmen der Übersetzung des Alten Testamentes in die nichtslawischen Sprachen Russlands hat das
Institut für Bibelübersetzung die Sprüche Salomos in den dagestanischen Sprachen Awarisch
(mehr als 750.000 Sprecher) und Beschtinisch (mehr als 8.000 Sprecher) herausgegeben. Bei beiden
Übersetzungen hat das Institut mit dem dagestanischen wissenschaftlichen Zentrum der Russischen
Akademie der Wissenschaften zusammengearbeitet. In Kürze werden die beiden Ausgaben an Kirchen,
Bibliotheken, wissenschaftliche Organisationen und kulturelle Einrichtungen der Republik Dagestan
ausgeliefert.
Das Awarische
und das Beschtinische gehören zur westkaukasischen Sprachfamilie. Die Awaren sind das zahlenmässig
stärkste Volk Dagestans und haben eine reiche literarische Tradition, die bereits mehrere hundert Jahre alt ist.
Im Beschtinischen sind dagegen gerade erst die ersten Druckschriften erschienen. Die Awaren und Beschtinen sind
wie die Angehörigen der anderen dagestanischen Völker Muslime.
Das Buch der Sprüche Salomos ist eines der sogenannten 5 Weisheitsbücher des Alten Testamentes und ist eine Sammlung von weisen Aussprüchen. (...) Diese Gattung wurde in der alttestamentlichen Zeit im
ganzen
Orient hochgeschätzt und ist bis heute den kulturellen Traditionen der kaukasischen Völker sehr nahe,
wo man die Weisheit der älteren Generation besonders schätzt. Des hebräische Wort „maschal“ mit
der Bedeutung „Spruch, Sprichwort, Weisheitsspruch, Redensart, Rätsel“ hat über seine arabischen
Äquivalente „misal“ oder „masal“ sogar Eingang in die nordkaukasischen Sprachen gefunden und wird noch
heute in ähnlicher Bedeutung verwendet.
Die Aussprüche des Buches der Sprüche stützen sich auf
alltägliche Erfahrungen, bereichert durch die Lehre über die göttliche Weisheit und die Stimmung
des Dankes gegenüber dem Schöpfer („Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.“ 1,7). Viele
der Sprüche sind in verschiedenen Sprachen zu Sprichwörtern geworden, wie im Deutschen z.B. „Wer
andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ 26,27. Man kann hoffen, dass dieses Buch nicht nur der
Vermehrung biblischer Weisheit dient, sondern auch einen Beitrag zur Entwicklung von Sprache und Kultur der
Awaren und Beschtinen leistet.
Das IBÜ fährt mit der Veröffentlichung von alttestamentlichen
Texten fort. Gerade erschienen sind das Buch Genesis auf Adygeisch (etwa 130.000 Sprecher) und ein Sammelband
mit den Büchern Ruth, Esther und Jona auf Nogaisch (etwa 90.000 Sprecher).
Jakow Tesmelez,
exegetischer Prüfer
des awarischen und des beschtinischen Projektes.
23.05.2005 |
Der Direktorin des IBÜ Dr. Marianne Beerle-Moor wird von der
Russischen Akademie der Wissenschaften die Ehrendoktorwürde
verliehen
Am 23 Mai 2005 wurde Frau Dr. phil. Marianne Beerle-Moor,
Direktorin des Instituts für Bibelübersetzung, von der russischen Akademie der Wissenschaften
die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Zeremonie fand auf der Präsidiumssitzung der Akademie der
Wissenschaften in Moskau im Beisein von renommierten Wissenschaftlern aus der Sektion Geschichts- und
Sprachwissenschaften statt. Der Präsident der
Akademie Juri
Osipow nannte in seiner Rede die selbstlose,
hingegebene und erfolgreiche Arbeit von Frau Beerle-Moor auf dem Gebiet der Bibelübersetzung in
nichtslawische Sprachen in Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, sowie ihre
wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Linguistik und Ethnolinguistik.
Die
aus der Schweiz stammende Beerle-Moor absolvierte 1968 am
pädagogischen Institut der Freiburger Universität (Schweiz), 1970 am Theologischen Seminar in
Kolding (Dänemark) und 1982 am linguistischen Institut der Zürcher Universität. Dort verteidigte
sie auch 1984 ihre Dissertation über Probleme im Verbalsystem des Lesgischen.
Viel Zeit und Kraft widmete Frau Beerle-Moor
der von der
Türkei aus durchgeführten
Untersuchung soziolinguistischer Probleme in
Dagestan gesprochener
Sprachen. Seit
1979 reiste sie regelmässig in die Türkei und lebte von 1985-88 dauerhaft in einem
tschetschenischen Dorf. Sie ist Autorin zahlreicher Veröffentlichungen über die morphologische Analyse
der Verben im Lesgischen und der Substantive im Tschetschenischen. Die Ergebnisse ihrer sprachwissenschaftlichen
Forschungen trugen zur Verbesserung der Beschreibung der grammatischen Systeme in diesen
Sprachen bei.
Seit 1994 arbeitet Frau Beerle-Moor in Russland, wo sie 1997 die
Leitung des 1973 in Schweden gegründeten und 1995 als eigenständige russische Organisation
registrierten Instituts für Bibelübersetzung übernahm. Mit ihren Kenntnissen auf dem Gebiet der
Exegese, Linguistik und Ethnolinguistik leitet Frau Beerle-Moor die Arbeit des Institut für
Bibelübersetzung, die in 65 nichtslawischen Sprachen durchgeführt wird. Seitdem sie die Leitung des
Instituts übernommen hat, wurde das Neue Testament in 15 Sprachen und Bibelteile in 54 Sprachen
übersetzt. Bis 2006 sollen die Übersetzungen des Neuen Testamentes in drei weitere Sprachen
fertiggestellt sein.
Für die Durchführung des Wohltätigkeitsprojektes
„Gebt ihnen ihre Hoffnung wieder“, in dem Waisenhäuser kostenlos Kinderbibeln erhalten, wurde Frau
Beerle-Moor im Februar 2003 der Fürst-Dimitri-Donski-Orden (3. Stufe) verliehen. Im Mai 2005 wurde sie auf
Erlass des jakutischen Präsidenten für den grossen persönlichen Beitrag zum Wiederaufbau des
geistlichen Lebens nach der Sowjetzeit und der Übersetzung des Neuen Testamentes ins Jakutische mit einer
Ehrenmedaille ausgezeichnet.
Auch als Direktorin des Instituts arbeitet sie noch unmittelbar in der
Bibelübersetzung mit. Sie ist Konsultantin im Übersetzungsprojekt ins Mordwinische
(IBÜ, Helsinki).
Die Arbeit des von Frau Beerle-Moor geleiteten Instituts spielt eine
wichtige Rolle bei der Erhaltung und Entwicklung
von gefährdeten Sprachen in Russland und anderen Ländern der GUS.
17.05.2005
| Übergabefeier
des Neuen Testamentes auf Jakutisch
Vor
kurzem gab das Institut für Bibelübersetzung die Übersetzung des Neuen Testamentes in die
moderne jakutische Sprache heraus. Am 11. Mai 2005 fand die Übergabefeier der neuen Ausgabe in Jakutsk im
Rahmen einer kirchengeschichtlichen Konferenz anlässlich des 135-jährigen Jubiläums der
Errichtung eines orthodoxen Bistums in Jakutien statt.
Die feierliche Eröffnung der Konferenz, die im Gebäude
der Akademie der Wissenschaften stattfand, begann mit einer Pressekonferenz und der Vorstellung der neuen
modernen Übersetzung des Neuen Testamentes ins Jakutische. Der Erzbischof von Chabarowsk und Priamur
Mark verlas ein Grusswort des Moskauer Patriarchen Aleksei II. an die Teilnehmer der Konferenz. Im Namen des
jakutischen Präsidenten begrüsste der Vizepräsident Alexander Konstantinowitsch Akimow alle
Anwesenden. Er nannte das Erscheinen des Neuen Testamentes ein historisches Ereignis, das im Laufe des
nächsten Jahrhunderts seinen Einfluss auf den geistlichen Zustand des jakutischen Volkes ausüben
werde. Anschliessend berichteten die Direktorin des IBÜ Dr. Marianne Beerle-Moor und die Übersetzerin
des jakutischen Neuen Testamentes Sargylana Afanasjewna Leontjewa über die interessante und nicht leichte
Arbeit an der Übersetzung und Verlegung der Bibel auf Jakutisch, an der die Übersetzer, Prüfer
und weitere Arbeitskräfte des IBÜ die letzten 12 Jahre arbeiteten.
Auf Anordnung des Präsidenten
der jakutischen Republik W.A. Styrow wurden Dr. M. Beerle-Moor und S. Leontjewa für den grossen
persönlichen Beitrag zum Wiederaufbau des geistlichen Lebens nach der Sowjetzeit und der Übersetzung
des Neuen Testamentes ins Jakutische mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet. .
Nach Abschluss der Grussworte sahen sich die Gäste die
fotodokumentarische
Ausstellung „Aus der Geschichte des jakutischen Bistums 1870-2005“ an, die Material
über die Geschichte der verlegerischen und bildenden Wirksamkeit des jakutischen Bistums zeigte. In der
jakutischen Nationalbibliothek, die aktiv an der Verbreitung des jakutischen Neuen Testamentes durch das
Bibliothekssystem der Republik beteiligt ist, fand eine Ausstellung von Büchern statt, die vom IBÜ
herausgegeben worden waren. Ausgestellt wurden Übersetzungen ins Jakutische und in andere Sprachen von
Völkern aus Russlands Norden (Dolganisch, Itelmenisch, Korjakisch, Nenzisch, Nanaisch, Tschukotisch,
Ewenkisch, Ewenisch und Enzisch).
Am 12. Mai wurde in der Verklärungskirche die göttliche
Liturgie gefeiert, bei der die Lesung des Evangeliums aus der neuen jakutischen Übersetzung erfolgte. Vor 140
Jahren, am 1. August 1859 wurde in der Dreieinigkeitskathedrale in Jakutsk der erste Gottesdienst in jakutischer
Sprache gefeiert. Dies war möglich dank der Arbeit zweier russischer Mönche, die zum ersten Mal
grundlegende biblische Texte ins Jakutische übersetzten. Mit ihrer Hilfe wurde das Jakutische verschriftet und
die jakutische Standardsprache geschaffen. Ihre Übersetzung war hoch willkommen und fand ihre Verwendung
im Leben der Jakuten. Nach weit über 100 Jahren hat sich die Sprache jedoch so deutlich weiterentwickelt,
dass die Texte viele veraltete Wörter und Konstruktionen enthalten und nur noch schwer zu lesen sind. Daher
hat das IBÜ sich die Aufgabe gestellt, eine neue Übersetzung anzufertigen, die es den Jakuten, die in
heutigem Jakutisch lesen, ermöglicht, den Inhalt der Bibel in ihrer ganzen Fülle zu verstehen. Das
Ergebnis der Arbeit ist das neu erschienene Neue Testament.
Zur Zeit führt das IBÜ die Arbeit an der Übersetzung
der Heiligen Schrift ins Jakutische mit alttestamentlichen Texten fort. Als nächstes sollen die Psalmen
veröffentlicht werden. Als erster Schritt auf dem Weg hierzu soll auf Anforderung des jakutischen Bistums eine
Auswahl von Psalmen für gottesdienstliche Zwecke herausgegeben werden.
26.04.2005
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Die Kinderbibel auf Burjatisch
Das Institut
für Bibelübersetzung gab die 32. Übersetzung des bei russischen Lesern weitverbreiteten Buches
mit biblischen Geschichten heraus. Die Kinderbibel wurde zunächst auf Russisch veröffentlicht und in
der Folge in vielen anderen, nichtslawischen Sprachen Russlands und der GUS. Sie wurde für viele der erste
Schritt auf dem Weg, die Heilige Schrift kennen zu lernen.
Ende Mai sollen die Bücher in Burjatien und den angrenzenden Regionen ankommen. Wenn man sich bewusst
macht, dass es 445.000 Burjaten gibt, von denen 86,5 % Burjatisch als Muttersprache sprechen, dann stellen die
7.600 Exemplare der Kinderbibel eine vergleichsweise geringe Auflage dar.
Die Bücher werden an Bibliotheken und Schulen geliefert und soweit möglich an
Kirchen verteilt, damit so viele Leser wie möglich diese neue, schön bebilderte Ausgabe kennen lernen
können. Die Arbeit an der Übersetzung der Kinderbibel wurde 1999 begonnen. An dem Buch arbeiteten
als Übersetzerin die Dichterin Dr. phil. D.A. Rajzanowa, als sprachlicher Bearbeiter Prof. Dr. phil.
S.B. Budajew, als exegetischer Prüfer S.A. Sytschew. Die Verständlichkeitsprüfung wurde von
W.A. Rajzanowa durchgeführt.
Einer der wichtigen Arbeitsschritte war die Verständlichkeitsprüfung der
Übersetzung. Sie wurde sowohl in der Hauptstadt Burjatiens Ulan-Ude als auch in weit davon entfernten
Dörfern und Siedlungen der Region durchgeführt. An der Verständlichkeitsprüfung
nahmen Sprecher verschiedener Dialekte teil. Die Dialekte des Burjatischen teilen sich in 4 regionale Gruppen auf.
Obwohl der Übersetzung der chorinische Standartdialekt zugrunde liegt, war der Text allen Teilnehmern der
Prüfung verständlich. Es ist ebenfalls wichtig, dass das Buch nicht nur von den Christen, sondern auch
von der buddhistischen Mehrheit angenommen werden kann.
Die Kinderbibel auf Burjatisch rief schon vor ihrem Erscheinen ein grosses Interesse hervor.
Sie wird zweifellos ihren Platz in der Literatur für Kinder einnehmen und auch als Unterrichtsmaterial in der
Schule Verwendung finden und so die Kinder und ihre Eltern mit biblischen Texten bekannt machen. Auf diese Weise
wird sie den Grund für die Aufnahme der Übersetzung des Neuen Testamentes ins Burjatische legen,
deren Herausgabe für 2006 geplant ist.
05.04.2005 |
Leserkonferenz an der staatlichen Universität
Dagestans
Am 5. April fand ein Treffen zwischen Mitarbeitern des IBÜ und
Studenten der Dagestanischen Staatlichen Universität statt. Mit einer kurzen Einführung in das
Thema „Die Bibel – das Buch der Bücher“ eröffnete der exegetische Prüfer des tabassaranischen
Übersetzungsprojektes des IBÜ Dr. M.E. Aleksejew die Konferenz. Er sprach über das Neue
Testament und über Gemeinsamkeiten in sittlichen und moralischen Fragen zwischen Christen und Muslimen.
Danach machte Dr. Aleksejew die Studenten mit der Arbeit des IBÜ bekannt und stellte die weiteren Mitglieder
des Übersetzungsteams für Tabassaranisch vor: den Übersetzer Raschid Asisow,
den Dichter Schamil Kasijew, der den Text sprachlich bearbeitet hat,
und die Koordinatorin des Projektes Dr. Sabrina Schichalijewa.
Raschid Asisow widmete seinen Vortrag der Vorstellung des in
der Übersetzung verwendeten Wortinventars. In der umfangreichen Liste, die den Studenten vorgelegt wurde,
fand sich praktisch kein Wort, dass den Hörern unbekannt gewesen wäre. Der grundlegende Gedanke
des Vortrags von Schamil Kasijew bestand darin, dass die Studenten vielseitig gebildet sein sollten und das Studium
der Bibel für sie notwendig wäre, da es sich bei der Bibel um ein wichtiges Zeugnis der Kultur der Welt
handele, das Jahrhunderte menschlicher Weisheit enthalte.
Die Fragen der Teilnehmer der Konferenz, die mit den Texten der vier
2004 erschienen Evangelien auf Tabassaranisch vertraut waren, rief eine lebhafte Diskussion hervor. Der
Korrespondent einer nationalen Zeitung, der zu dem Treffen eingeladen war, stellte die Frage, warum Johannes der
Täufer in der Übersetzung als Jachja, der Apostel Johannes aber als Jugan bezeichnet wird. Die
Mitglieder des Übersetzungsteams erklärten, dass Jachja aus dem Koran bekannt sei, Jugan jedoch nicht.
In der Antwort auf die Originaltreue der Texte wurden dem Auditorium die griechischen Quellen, auf die sich die
Übersetzung stützt, vorgestellt.
Zum Abschluss lud Dr. Aleksejew zum Lesen der Bibel, des Buches der
Bücher, ein. Im Falle von Fragen könnte man sich über den Dozenten für tabassaranische
Sprache Kasi Kerimowitsch Kubranow, der ebenfalls früher an der Übersetzung mitgearbeitet hatte, an
das Übersetzerteam wenden.
25.02.2005
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Der erste biblische Text auf Rutulisch
Das IBÜ hat das Lukasevangelium auf Rutulisch herausgegeben. Dies ist die erste
Übersetzung eines biblischen Textes für die Rutulen.
Die
rutulische Sprache gehört zur lesgischen Gruppe der nacho-dagestanischen Sprachen (kaukasische
Sprachfamilie). Gemäss der letzten Volkszählung im Jahr 2002 leben in Russland etwa 30.000 Rutulen.
Sie leben im rutulischen Kreis in Dagestan und in einigen Orten in Aserbaidschan. Die rutulische Schriftsprache
befindet sich im Entstehen, denn die Verschriftung der Sprache erfolgte erst Anfang der 90er Jahre des letzten
Jahrhunderts. Die Übersetzerin Dr. phil. S.M. Machmudowa und der exegetische Prüfer Dr. phil. M.E.
Aleksejew, die mit der Übersetzung des Lukasevangeliums Mitte der 90er Jahre begonnen haben, mussten
grosse Anstrengungen unternehmen, um auf Rutulisch ein natürliches Bild der biblischen Welt zu entwerfen.
Bei der Übersetzung orientierten sie sich an den umgangssprachlich gebräuchlichen Wörtern, die
den einfachen Leuten leicht verständlich sind. Im Verlauf der Arbeit wandten sie sich oft an Muttersprachler,
unter denen auch so ein Kenner und Liebhaber der eigenen Sprache wie Schafi Ibragimow war, der Autor vieler im
Volk beliebter Lieder ist. Die Personen, die an der Verständlichkeitsprüfung des Textes teilgenommen
haben, hörten mit grossem Interesse auf die Übersetzung, stellten Fragen und halfen eine Reihe von
Mängeln auszubessern. Ein Mullah aus einer der rutulischen Siedlungen, der der Übersetzung der Bibel
wohlwollend gegenübersteht, bezeichnete sie als eine gottgefällige Tat. Die Rutulen waren eines der ersten
Volksgruppen in Dagestan, die zum Islam konvertiert sind.
In der nächsten Zeit werden 1000 Exemplare des Lukasevangeliums in die Region geliefert, wo sie an die
Bibliotheken und andere Einrichtungen des Kulturministeriums, das wissenschaftliche Zentrum Dagestans der
Russischen Akademie der Wissenschaften und andere gesellschaftliche Vereinigungen verteilt werden. Die Teilnehmer
der Projektes hoffen darauf, dass die Übersetzung des ersten biblischen Textes bei der Etablierung und
Entwicklung der rutulischen Schriftsprache hilfreich ist.
05.02.2005
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Übergabefeier
des Lukasevangeliums auf Tschuktschisch in Anadyr
Auf Initiative des Museumszentrums „Erbe Tschukotkas“ fand am 5. Februar in Anadyr die Übergabefeier
der ersten Ausgabe des vollständigen Textes des Lukasevangeliums auf Tschuktschisch statt. 2.000 Exemplare
mit einer beigelegten Aufnahme auf 3 Kassetten wurden im Juli 2004 nach Tschukotka geliefert. Zur Zeit werden sie
kostenlos in den Kirchen Tschukotkas verteilt. Ausserdem erhielten alle Bibliotheken der tschukotischen
Kulturverwaltung Exemplare.
Auf der Feier im Museumszentrum hielt der Bischof von Anadyr und Tschukotka Diomid ein Grusswort. Er
bezeichnete das Erscheinen des Lukasevangeliums auf Tschuktschisch als ein historisches Ereignis. Die
Übersetzungsprüferin Alla Kerginto berichtete über die Arbeit der Übersetzerin Ideja Kulikowa,
der Prüfer Jewgenija Tyneru und Antonina Kymytwal und auch über ihre eigene Arbeit an
der Herstellung des vorliegenden Buches. Unter den Rednern befanden sich
Wissenschaftler, Dichter und Leiter
gesellschaftlicher und kirchlicher Organisationen. Spezialisten auf den Gebiet der tschuktschischen Sprache
unterstrichen das gute literarische Niveau der Übersetzung und die gute Verständlichkeit für einen
weiten Leserkreis. Darüber hinaus wurde hervorgehoben, dass die Kassettenaufnahmen Tschuktschen, die nicht
mehr der Sprache ihres Volkes mächtig sind, in die Lage versetzen, diese zu erlernen. Alla Kerginto, die auch an
den Kassettenaufnahmen beteiligt war, hat schon mehrfach Ausschnitte aus dem Text der Evangelien im lokalen Radio
vorgelesen. Das Radio spielt in Tschukotka eine wichtige Rolle; oft ist es die einzige Informationsquelle in den
abgelegenen Siedlungen und Zeltplätzen der Nomaden. Das Institut für Bibelübersetzung hofft, dass
die Praxis der Lesungen von Texten aus den Evangelien im Radio fortgeführt und weiterentwickelt wird, und dass
die Bibel in der eigenen Sprache sich neu ihren Lesern und Hörern erschliesst.
02.02.2005
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Verständlichkeitsprüfung der Kinderbibel
auf Ewenkisch in Tura (Ewenkisches autonomes Gebiet)
Vom 15. – 28. Januar 2005 wurde organisiert vom Institut für Bibelübersetzung eine linguistische
Expedition nach Tura (Ewenkisches autonomes Gebiet) durchgeführt. An ihr nahmen der exegetische
Prüfer des ewenkischen Projektes Dr. Stefano Cotrozzi und die sprachliche Prüferin Dr. phil. Nadjeschda
Bulatowa teil. Ziel der Expedition war die Durchführung des Verständlichkeitstestes für die
Übersetzung der Kinderbibel ins Ewenkische. Dieses Buch ist
ein mit farbigen Abbildungen versehener
Sammelband von nacherzählten Geschichten
und Zitaten aus allen biblischen Büchern. Die Kinderbibel
des IBÜ ist bereits in 31 Sprachen übersetzt worden. Neben den beiden Expeditionsteilnehmern ist noch
Dr. phil. Anna Myrejewa an der Übersetzung der Kinderbibel ins Ewenkische beteiligt. Sie soll 2006
erscheinen.
Am 28. Januar trafen die Mitarbeiter des Instituts mit Spezialisten des Ewenkischen ethnopädagogischen Zentrums
zusammen, das bei der Durchführung der Verständlichkeitsprüfung mit dem IBÜ
zusammengearbeitet hat. In dem Treffen stellten Stefano Cotrozzi und Nadejschda Bulatowa kurz ihre Arbeit auch an
weiteren Büchern der Bibel vor. Sie berichteten, wie die Übersetzung der Kinderbibel ins Ewenkische von
statten ging und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatten. Weiter berichteten sie davon, dass
für die Verbesserung der Genauigkeit der Übersetzung spezielle Treffen mit ewenkischen
Muttersprachlern organisiert worden waren. Sie konnten ihre Einschätzung darüber geben, wie gut die
Übersetzung der Kinderbibel für die Ewenken verständlich ist. Im Verlauf des Treffens wurde auch
die Frage berührt, in welchem Zustand sich die ewenkische Sprache und Kultur in anderen Gebieten
Russlands und auch ausserhalb Russlands, dabei insbesondere in China, befindet. In China gibt es etwa
3.000 Ewenken und in Russland etwa 30.000. Sie leben in Zentral- und Ostsibirien.
Die Direktorin des ethnopädagogischen Zentrums Diana Schtschapowa brachte ihre Überzeugung zum
Ausdruck, dass „die Übersetzung der Bibel in die ewenkische Sprache eine sehr mühsame Arbeit ist.
Erklärende Hilfsmittel fehlen, so dass die Arbeit sowohl für den Übersetzer als auch für die
Muttersprachler mühsam ist. Aber wie dem auch sei, das Buch wird für die Ewenken historische
Bedeutsamkeit erlangen.“ Die Präsentation, die im wesentlichen auf Ewenkisch erfolgte, endete mit dem
Gebet „Säväki-Aminmun“ (Vater unser).
18.01.2005 |
Übergabefeier des Johannesevangeliums, der Johannesbriefe und der Offenbarung auf Chakassisch in Abakan
Im Herbst 2004 wurde vom Institut für Bibelübersetzung ein neuer Band mit dem Johannesevangelium,
den Johannesbriefen und der Offenbarung auf Chakassisch herausgegeben.
Unter Teilnahme des chakassischen Übersetzungsteams fand am 18. Januar 2005 im Regionalmuseum von
Abakan die Übergabefeier für dieses Buch statt. Der Übersetzer I. Topojew und die Prüfer
S.
Sytschew, T. Borgojakowa und G. Litwinenko sprachen über die Arbeit des IBÜ, über Prinzipien
bei der Übersetzung biblischer Texte, über die Schwierigkeit und Vielseitigkeit dieser Arbeit, über die strengen Kriterien die vom IBÜ an die Übersetzung angelegt werden und warum dies für die
Erreichung der Qualität erforderlich ist. Die Anwesenden, Vertreter verschiedener gesellschaftlicher
Organisationen und des Bildungsministeriums, Kulturschaffende, Lehrer und Arbeiter des Museums, drückten
ihr hohes Interesse an der Arbeit des Übersetzungsteams und den daraus resultierenden Ausgaben des
IBÜ aus: „Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Sprache. Es zeigt sich, dass die chakassische
Sprache in der Lage ist, schwierige theologische Begriffe wiederzugeben und den ganzen Reichtum und die Tiefe der
johannäischen Bücher des Neuen Testamentes auszudrücken.“ Das Buch gibt den Lesern Hoffnung und
Stolz auf ihre Sprache.
14.01.2005 |
Übergabefeier des Neuen Testamentes
auf Ossetisch in Wladikafkas
Am 14. Januar fand im Konferenzsaal der Nationalbibliothek der Republik Nordossetien in
Wladikafkas die Übergabefeier für das Neue Testament auf Ossetisch statt. Die Veranstaltung war vom
Institut für Bibelübersetzung zusammen mit dem Kulturministerium der Republik Nordossetien
organisiert worden. Bei der Übergabefeier waren mehr als 100 Gäste anwesend, darunter auch der
nordossetische Kulturminister L. Dsugajew, der Direktor des Hauses der Künste
der Republik L. Chasijew, die
Leiterin der für religiöse Organisationen im
Nationalitätenministerium zuständigen Abteilung
L. Tarajewa und Vertreter von Kirchen und wissenschaftlichen und kulturellen Organisationen.
Zu Beginn der Übergabefeier sang der Männerchor der staatlichen Philharmonie unter der Leitung von
Olga Dschanajewa geistliche Lieder in ossetischer Sprache.
Oberpriester Waldimir Samoilenko, die Direktorin des IBÜ Dr. Marianne Beerle-Moor, der exegetische
Prüfer des Projektes Dmitri Asratjan, die Koordinatorin des Projektes Ketewan Gadilija, Prof. Dr. phil. Tamerlan
Gurijew und weitere Persönlichkeiten richteten Grussworte an die Anwesenden.
Die Redner unterstrichen die Bedeutung der Veranstaltung, die ein bedeutendes Signal für das ossetische Volk
darstelle und einen wesentlichen Beitrag zur geistlichen und moralischen Entwicklung des Landes leiste. Es wurde
hervorgehoben, dass die Herausgabe des Neuen Testamentes, wiewohl sehr wichtig, nicht die abschliessende Etappe
der Arbeit an der Bibelübersetzung ins Ossetische darstellen würde. Zur Zeit führt das Institut die Arbeit mit der
Übersetzung des Psalters fort. Die Bücher Genesis und Exodus befinden sich in der Vorbereitung zum
Druck und werden im kommenden Jahr erscheinen.
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