Institut für Bibelübersetzung _


Übersetzung und Verlegung von biblischen Texten in Sprachen nichtslawischer Volksgruppen Russlands und anderer Länder der GUS


 

   
   
  Nachrichten 2008
 

29.09.08 I Konferenz zum Thema „Die Bedeutung der Bibelübersetzung bei der Erhaltung und Entwicklung der Sprachen der Völker Russlands und der GUS“

Konferenz zum Thema „Die Bedeutung der Bibelübersetzung  bei der Erhaltung und Entwicklung der Sprachen der Völker Russlands und der GUS“, 2008.Vom 24. bis 26. September 2008 veranstaltete das Institut für Bibelübersetzung gemeinsam mit dem Moskauer Institut für Sprachwissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften eine Konferenz zum Thema „Die Bedeutung der Bibelübersetzung bei der Erhaltung und Entwicklung der Sprachen der Völker Russlands und der GUS.“ Äàãåñòàíà, à Konferenz zum Thema „Die Bedeutung der Bibelübersetzung  bei der Erhaltung und Entwicklung der Sprachen der Völker Russlands und der GUS“, 2008.An der dreitägigen Konferenz nahmen Sprachwissenschaftler, Übersetzer, Soziologen, Bibelwissenschafter und Historiker aus ganz Russland, der GUS und aus verschiedenen anderen Ländern Teil. Neben rein methodologischen Fragestellungen des Übersetzens wurden auch dessen soziologische, religionswissenschaftliche und kulturelle Aspekte beleuchtet.Konferenz zum Thema „Die Bedeutung der Bibelübersetzung  bei der Erhaltung und Entwicklung der Sprachen der Völker Russlands und der GUS“, 2008.Die Referenten berichteten von ihren Erfahrungen bei der Übersetzung der Bibel in die Sprachen der Völker auf dem Gebiet Russlands und der GUS.

Der Beitrag der Bibelübersetzungen zur Erhaltung und Entwicklung von Sprachen wurde in vielen Vorträgen thematisiert. In Zeiten, in denen die Sprachen kleinerer Volksgruppen mit bedenklicher Geschwindigkeit aussterben, bleibt die Bibel oft als einziges Schriftdenkmal der Sprache erhalten und wird nicht nur als religiöser Text wahrgenommen, sondern auch als normatives Modell und Quelle für die Anreicherung des lexikalisch-phraseologischen Systems. Die Bibelübersetzung regt die Sprachentwicklung und das Interesse der Sprecher für die eigene Sprache an und erhöht ihr Ansehen, was wiederum zu einer Belebung und Erneuerung der Kultur führt.

Die vom IBÜ gefertigten Übersetzungen der Bibel in vom Aussterben bedrohte Sprachen waren Thema des Vortrages von M. Beerle-Moor. Unter anderem berichtete sie von einem Fall aus jüngster Zeit, in denen eine Sprache durch die Bibelübersetzung vor dem Verschwinden bewahrt wurde, und von einer unlängst entdeckten kaukasisch-albanischen Handschrift auf Altudinisch, einer Sprache der lesginischen Gruppe der nacho-dagestanischen Sprachen.

Viele Übersetzer beleuchteten die praktische Seite des Bibelübersetzens. G. W. Kostochakow berichtete vom grossen Nutzen des schorisch-russischen Wörterbuches, das in die schorische Ausgabe der Evangelien aufgenommen wurde. M. I. Magomedow betonte die grosse Rolle, die die Bibelübersetzung in bislang schriftlose Sprachen für die Beherrschung der Sprache durch die Bevölkerung spielt.


19.09.08 I Das erste Neue Testament auf Awarisch

Das Neue Testament auf Awarisch. Institut für Bibelübersetzung, Russland/GUS, 2008.Am 19. September 2008 trafen die ersten Exemplare des Neuen Testaments auf Awarisch im Moskauer Büro des IBÜ ein. Die Awaren (etwa 800.000) stellen die grösste Bevölkerungsgruppe im nordkaukasischen Dagestan. Einige Awaren leben auch in Aserbaidschan und in der Türkei. Dies ist das erste Neue Testament in ihrer Sprache - ein historisches Ereignis! An der Übertragung des Textes arbeitete das Übersetzerteam 17 Jahre lang.

Das Awarische gehört zur nordostkaukasischen Sprachfamilie und dient den verschiedenen ethnischen Gruppen im zentralen Dagestan als Verständigungssprache. Die Awaren begannen bereits im 17. Jahrhundert mit der Verschriftung ihrer Sprache - früher als jede andere Volksgruppe in Dagestan.

Gemeinsam mit anderen ethnisch verwandten Völkern waren die Awaren Teil eines der ersten bekannten christlichen Staaten, des kaukasischen Albanien. Seit dem 4. Jahrhundert fand das Christentum unter ihnen weite Verbreitung. Im Mittelalter gelangten die Awaren unter den Einfluss des Islam, und ihr Leben wie auch ihre Kultur durchlief eine weitreichende Islamisierung. Heute sind sie sunnitische Muslime.

Mit dem Johannesevangelium veröffentlichte das IBÜ 1979 das erste biblische Buch auf Awarisch; in der Folge erschienen dann 1996 das Matthäusevangelium, 2000 das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte und 2005 die Sprüche Salomos. Die Übersetzungsarbeit an anderen Teilen des Alten Testaments geht weiter.

Im November 2008 werden die bisher veröffentlichten Übersetzungen der Bibel in zwölf Sprachen Dagestans gefeiert: das Neue Testament auf Awarisch und Kumykisch, Bücher des Neuen und Alten Testaments auf Tabassaranisch, Lesginisch, Lakisch, Darginisch, Zachurisch, Rutulisch, Agulisch, Beschtinisch, Kubatschinisch und Andisch. Die Veranstaltung wird vom IBÜ und dem Institut für Sprache, Literatur und Kunst der Akademie der Wissenschaften in Dagestan organisiert und findet in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala statt.
 


12.09.08 I Die Kinderbibel auf Chakassisch

Die Kinderbibel auf Chakassisch. IBÜ Russland/GUS, 2008.Im September 2008 veröffentlichte das Institut für Bibelübersetzung die Kinderbibel auf Chakassisch. Es ist die fünfunddreissigste Übersetzung der Kinderbibel des IBÜ, die zum ersten Mal vor 25 Jahren auf Russisch erschienen ist. Seitdem ist dieses Buch in mehrere nichtslawische Sprachen Russlands und der GUS übersetzt worden. Für viele Menschen wurde es zum ersten Schritt beim Kennenlernen der Heiligen Schrift.

Die Übersetzung der Kinderbibel ins Chakassische begann 2002 und wurde von einem fünfköpfigen Team ausgeführt; vier der Übersetzer waren Chakassen. Die erste Auflage von 3.000 Exemplaren ist bereits in Chakassien angekommen. Die Bücher werden nun in Büchereien, Schulen und Kirchen verteilt, damit möglichst viele Leser die Möglichkeit haben, dieses neue, wunderschön illustrierte Buch auf Chakassisch kennen zu lernen.

Im Oktober wird es eine offizielle Präsentation der Kinderbibel in Abakan, der Hauptstadt Chakassiens geben, in einer gemeinsamen Veranstaltung des IBÜ und des Kulturministeriums, sowie des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Republik Chakassien. Der erste Teil der Veranstaltung wird in einem chakassischen Internat stattfinden, für den zweiten ist eine Diskussion mit Schriftstellern, Lehrern und anderen Vertretern der chakassischen Gesellschaft geplant.
 


16.06.08 I Die vier Evangelien und die Apostelgeschichte auf Krimtatarisch

Die vier Evangelien und die Apostelgeschichte auf Krimtatarisch. Institute for Bible Translation, Russia/CIS, 2008.Im Sommer 2008 erschienen die vier Evangelien und die Apostelgeschichte zum ersten Mal auf Krimtatarisch.

Die Halbinsel Krim ist die historische Heimat der Krimtataren. 1944 wurden sie jedoch der Kollaboration mit den Nazis beschuldigt und nach Zentralasien und in andere Regionen der Sowjetunion deportiert. Viele starben an Krankheiten und Mangelernährung. Lange Zeit wurden die Krimtataren nicht als eigenständige ethnische Gruppe anerkannt und aller Rechte, darunter des der Reisefreiheit, beraubt. Erst 1989 gestattete ihnen die Sowjetunion, auf die Krim zurück zu kehren. Heute sind etwa 250.000 Krimtataren wieder in ihrer Heimat und versuchen, ihr Leben erneut in geordnete Bahnen zu lenken und ihre nationalen und kulturellen Rechte zurück zu gewinnen. Dazu zählt trotz vieler sozialer und ökonomischer Hindernisse auch der Gebrauch ihrer Sprache.

Der erste Versuch, die Bibel ins Krimtatarische zu Übersetzen, fand in den Jahren 1978-1996 statt. 1999 wurde vor Ort ein Übersetzerteam gebildet. Seitdem erschienen mehrere Bibelbücher („Geschichten über Jesus“ mit Illustrationen eines nationalen Künstlers 2002; ein Buch über die Propheten 2005; eine Überarbeitung des Matthäusevangeliums 2006 und ein Buch mit den Sprüchen Salomos und Prediger im Jahr 2007). Die Arbeit erfolgt in Kooperation mit den Pioneer Bible Translators und der ukrainischen Bibelgesellschaft.

Die Krimtataren hungern nach spiritueller Literatur, und die bisher veröffentlichten Bücher wurden gut aufgenommen. Wir wünschen uns, dass die vier Evangelien und die Apostelgeschichte sich als Segen für die Krimtataren erweisen.
 


15.05.2008 | „Am Anfang war das Wort“. Der Johannesprolog in 76 Sprachen

Zu Ostern 2008 hat IBÜ Russland/GUS ein Buch mit den ersten 17 Versen des Johannesevangeliums in 76 Sprachen herausgegeben. Darunter sind alte Sprachen wie Koinegriechisch, Syrisch, Lateinisch und Kirchenslawisch; in der überwiegenden Mehrheit sind aber moderne Sprachen, die in Russland gesprochen werden.

In jeder Osternacht werden diese Verse der russisch-orthodoxen Tradition nach in vielen Sprachen verlesen. Ostern ist das älteste Fest der Kirche, das immer in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag gefeiert wurde. Seit dem dritten Jahrhundert wurden in dieser Nacht die neuen Gläubigen getauft und in die Gemeinde aufgenommen.

Die Tradition, Johannes 1, 1-17 vorzulesen, reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück und ihre Begründung wird dem Bischof von Konstantinopel zugeschrieben. Schon von Anfang an erfolgte die Lesung in 2 Sprachen, Lateinisch und Griechisch. Später kam Hebräisch hinzu, die dritten Sprache der Kreuzesinschrift: „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Nachdem die jeweiligen Landessprachen Eingang in die Liturgie gefunden hatten, verlas man den Text zusätzlich auch in diesen Sprachen.

In Russland wird der Johannesprolog in der Osternacht in den alten Sprachen und in einigen modernen Sprachen vorgelesen. Dies hat eine Symbolik: das Evangelium von Christus, dessen Sieg über den Tod in dieser Nacht gefeiert wird, ist weltweit für Menschen aller Sprachen bestimmt.

Wir wünschen, dass in den Kirchen reger Gebrauch von dem Buch gemacht wird und in der Osternacht Johannes 1, 1-17 jetzt auch in solchen Sprachen zu hören sein wird, in denen vorher noch keine Bibelübersetzung existiert hat.


21.03.2008 I Grundkurs für neue Mitarbeiter in Bibelübersetzungsprojekten

Vom 11. bis zum 21. März fand im Moskauer Büro des Instituts für Bibelübersetzung der erste Grundkurs für neue Mitarbeiter in Bibelübersetzungsprojekten statt. Zwölf Personen aus neun verschiedenen Übersetzungsprojekten (dunganisch, inguschisch, kabardinisch, lesginisch, mokschanisch, nogaisch, tabassaranisch und ersjanisch) nahmen an diesem zweiwöchigen Seminar teil. Unter den Teilnehmern des von IBÜ organisierten Seminars waren Übersetzer, exegetische und sprachliche Prüfer, Verständlichkeitstester und auch eine Regionalkoordinatorin. Das Programm war dicht gedrängt. Mitarbeiter des IBÜ führten Lektionen zum historisch-kulturellen Kontext, zur Übersetzungstheorie, zur Exegese, zum Verständlichkeitstest, zur sprachlichen Bearbeitung und zur Organisation von Übersetzungsteams durch. Dozenten des Moskauer theologischen Seminars „Nasledie“ (Erbe) gaben eine Einführung ins Alte und Neue Testament. Als Lehrende zu linguistischen Themen fungierten neben Mitarbeitern des IBÜ auch Professoren des Moskauer sprachwissenschaftlichen Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften.

IBÜ plant das Lehrprogramm für Übersetzer und exegetische Prüfer weiter zu entwickeln. Auf den Seminaren der nächsten Stufe sollen sich die Teilnehmer tiefergehend mit Exegese, Linguistik, einzelnen biblischen Büchern und auch mit den Prinzipien, Problemen und der Praxis der Bibelübersetzung auseinander setzen.

Bei der abschliessenden Auswertung beurteilten die Teilnehmer das Seminar folgendermassen: „Das Seminar hat mir in konzentrierter Art und Weise gegeben, was ich im Laufe vieler Jahre versucht habe zu lernen.“ „Das Seminar war auf die Notwendigkeit abgestimmt, elementare Kenntnisse des Materials und der Quellen zu erlangen. Es war anregend und sehr interessant.“ „Ich fühle mich jetzt viel sicherer, weil ich mich jetzt besser im Kontext und im Übersetzungsprozess orientieren kann.“ „Nach dem Seminar erwachte das Verlangen, vieles in meiner Übersetzung zu verbessern.“ „Bieten Sie weiter Grundkurse an! Ich bin sehr froh, nach Ihrem Seminar einen kleinen Beitrag in meinem Projekt leisten und den anderen Mitgliedern des Teams helfen zu können.“


05.03.2008 I Übergabefeier des Neuen Testamentes auf Mari in Joschkar-Ola (IBÜ, Helsinki)

Am 4. Februar fand im Konferenzsaal der Nationalbibliothek in Joschkar-Ola die Übergabefeier des Neuen Testamentes auf Wiesen-Mari statt, das unter der Leitung des Instituts für Bibelübersetzung in Helsinki angefertigt worden war.

Der kleine Saal fasste nur mit Mühe die Gäste, die sich zu diesem zweifelsohne wichtigen Feiertag im Leben der Republik Mari El eingefunden hatten. Der Erzbischof der russisch-orthodoxen Eparchie von Joschkar-Ola Ioann, der Minister für Kultur und Nationalitäten der Republik Michail Wasjutin und die Professoren Dr. Xenofont Sandukow und Dr. Sergei Starikow richteten Grussworte an die Versammelten.

Die Wissenschaftler unterstrichen in ihren Ausführungen die besondere Wichtigkeit der Übersetzung der Heiligen Schrift ins Anita Laakso, Direktorin des IBÜ, HelsinkiMari für die geschichtlich-geistliche Entwicklung des Volkes der Mari und der anderen Völker, die in der Republik Mari El leben.

Anschliessend kamen einige der Gäste zu Wort: die Direktorin der finno-ugrischen Abteilung des Instituts für Bibelübersetzung in Helsinki Anita Laakso, die exegetische Prüferin Tiina Ollikainen und der Dichter, Journalist und Übersetzer Leonid Jandakow.

Der Leiter der Übersetzungskommision der Eparchie Nikolai Tschusaew las einen Ausschnitt aus dem Neuen Testament: das Vaterunser in der neuen Übersetzung ins Wiesen-Mari.

An der Übergabefeier nahm auch ein Quartett des Chores der Universitätskirche teil, das Gesangsstücke auf Russisch, Griechisch und Mari zur Aufführung brachte.

Homepage der Eparchie von Joschkar-Ola der Russisch Orthodoxen Kirche


 

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